Außengeländer der IFAT 2024 Messe Münschen GmbH
Abfall Digitalisierung Energie Wasser 4. Juni 2024

Highlights für Kommunen auf der IFAT 2024 – ein Rückblick

Vom 13. bis zum 17. Mai war die Münchner Messe erneut Schauplatz der international renommierten Umwelttechnologiemesse IFAT. Für Kommunaler gab es reichlich Stoff, um sich über wichtige Themen innerhalb der Daseinsvorsorge auszutauschen und zu informieren. Wir haben einige Highlights zusammengefasst.

3.211 Ausstellerinnen und Aussteller auf einer Fläche von 300.000 Quadratmetern, rund 142.000 Besucherinnen und Besucher aus 170 Ländern sowie Europas 50 erfolgreichste Start-ups: Die IFAT Munich erreichte in diesem Jahr Rekordniveau. Messegeschäftsführer Stefan Rummel sagte einführend zur Bedeutung der Weltleitmesse für Umwelttechnologien: „Die Herausforderungen unserer Zeit, zum Beispiel die Klimakrise oder der Rohstoffmangel, lassen sich nur mit Technologie lösen. Egal ob es um die Transformation der Kommunen hin zu mehr Klimaresilienz oder der Industrie hin zu mehr geht: Die IFAT Munich ist die Veranstaltung, auf der wir Lösungen für unsere Zukunft sehen.“ Besonders freute er sich darüber, dass die IFAT 2024 mehr Aufmerksamkeit denn je erfahren habe – von Politik und Wirtschaft, Verbänden und Unternehmen.

In einer Video-Botschaft anerkannte Bundeskanzler Olaf Scholz die IFAT als „eine der Wachstumsmessen schlechthin“. Die Bundesregierung wolle gute Rahmenbedingungen schaffen damit die Branche weiter wachse, so Scholz. „IFAT und Deutschland – das passt zusammen.“ Einige dieser Rahmenbedingungen griff Bundesumweltministerin Steffi Lemke in der Eröffnungsrede auf. Vor allem mit der Kreislaufwirtschaftsstrategie habe die Bundesregierung entscheidende Weichen gestellt, um den Verbrauch primärer Rohstoffe zu senken und die Recyclinginfrastruktur weiter auszubauen, so die Ministerin. Notwendig sei aber auch eine enge Kooperation aller Wirtschaftsbeteiligten über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg, um Circular Economy in der Gesellschaft fest zu verankern. Lemke betonte, wie wichtig in diesem Kontext die Einführung des Digitalen Produktpasses sei. Der werde 2030 EU-weit für alle wichtigen Produktgruppen eingeführt.

Potenziale der Abwasseraufbereitung

Die Umweltministerin verwies ebenso auf das drängende Thema Wasser, welches auf der IFAT 2024 einen besonders hohen Stellenwert einnahm. Mit der nationalen Wasserstrategie, die 2023 im Bundeskabinett verabschiedet wurde, will die Regierung die Versorgung mit sauberem Trinkwasser sicherstellen, Grundwasser und Ökosysteme schützen sowie Landwirtschaft und Wirtschaft mit ausreichend Wasser versorgen. Die Neufassung der EU-Kommunalabwasserrichtlinie sieht zudem vor, eine vierte Reinigungsstufe für große Kläranlagen einzuführen. Hierbei sollen Spurenstoffe von Medikamenten und Kosmetika aus dem Abwasser entfernt werden. Durch die gleichzeitige Einführung einer erweiterten Herstellerpflicht in diesem Bereich sollen Kommunen finanziell entlastet werden – zumindest 80 Prozent der anfallenden Kosten werden von den Herstellenden der Spurenstoffe getragen. Diese Neuregelung soll zur intensiveren Entwicklung von Lösungen gegen Wasserknappheit und für Wasserwiederverwendung beitragen.

„Reuse Brew“

Welches Potenzial die Abwasseraufbereitung hat, demonstrierte das Unternehmen Xylem auf der IFAT. Mit Partnern aus Wissenschaft und Kommune entwickelte das weltweit führende Unternehmen im Bereich Wassertechnologie das „Reuse Brew“, ein Bier aus hochwertig aufbereitetem Abwasser. Das wurde in der Kläranlage der bayerischen Stadt Weißenburg recycelt, welche als Vorreiterin bereits mit einer vierten Reinigungsstufe arbeitet. Mittels fortschrittlicher Ozon-Technologie sowie hochentwickelten Filtrations- und Reinigungsverfahren wie der Nanofiltration werden chemische und mikrobielle Verunreinigungen effektiv entfernt und so sicheres Trinkwasser gewonnen. Das daraus entstandene Bier konnte am Stand des Unternehmens verkostet werden. 

Aufbereitetes Abwasser nützt Grünanlagen

Dass Lösungen zur Wasseraufbereitung mittlerweile nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch sind, demonstrierten auch viele weitere auf der IFAT 2024 vorgestellten Beispiele. So wird in einem aktuellen Pilotprojekt in der Stadt Schweinfurt aufbereitetes Abwasser für die Bewässerung von öffentlichen Grünanlagen und landwirtschaftlichen Flächen genutzt. Eine für Kommunen ebenfalls interessante Option ist die Spülwasseraufbereitung in öffentlichen Schwimmbädern. Hierdurch können jährlich bis zu 80 Prozent Ressourcen und Geld eingespart werden.

Wasserwirtschaft ist kommunale Querschnittsaufgabe 

Abwasser zur Weiterverwendung aufzubereiten, ist das eine, die Nutzung von Regenwasser für eine wasserbewusste Stadtentwicklung das andere. Auf der IFAT 2024 wurde einmal mehr klar: Das Paradigma, Wasser aus der Stadt so schnell wie möglich abzuleiten, hat ausgedient. Lebenswerte Städte von heute verknüpfen blaue, grüne und graue miteinander und machen sich so gegenüber den zunehmenden Wetterextremen widerstandsfähiger. Die Deutsche Vereinigung für , Abwasser und Abfall e. V. (DWA) spricht dabei von einer kommunalen Querschnittsaufgabe, bei der verschiedene Fachdisziplinen wie Straßenbau, Stadtplanung, Siedlungswasserwirtschaft und Landschaftsarchitektur frühzeitig zusammengebracht werden müssten, um lokale Lösungen zu entwickeln. Dazu gehöre die Schaffung von multifunktionalen Flächen, wie begrünte Dächer und Fassaden. Außerdem müsse die Regenwasserbewirtschaftung in ein übergeordnetes Gestaltungskonzept einbezogen werden.

Mehr Informationen der DWA zur wasserbewussten Stadtentwicklung finden interessierte Kommunen hier.

Alternative Energie am VKU-Stand

Mit dem Saubere-Fahrzeuge-Beschaffungs-Gesetz sind Kommunen dazu angehalten, ihren Fahrzeugpool auf saubere und energieeffiziente Antriebsarten umzustellen. Das betrifft insbesondere den Bereich der und Stadtreinigung. In zahlreichen Live-Demos auf dem Freigelände der IFAT wurden emissionsarme Fahrzeuge für den Straßenbetriebs- und Straßenwinterdienst präsentiert. Im Zentrum standen dabei elektrische sowie wasserstoffbasierte Antriebskonzepte. „Viele Kommunen wollen schon 2040 oder 2035 treibhausgasneutral werden. Das funktioniert nur, wenn sie ihren Fuhrpark auf CO2-neutrale Fahrzeuge umgestellt haben“, sagte Dr. Holger Thärichen, Geschäftsführer der Sparte Abfallwirtschaft und Stadtsauberkeit des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU), auf der IFAT gegenüber Kommune. Er ist sich sicher: Das wird ein teurer Prozess. Hier sei es gut, sich einen möglichst breiten Überblick darüber zu verschaffen, welche technologischen Trends jetzt innovativ und zukunftsträchtig seien und welche nicht.

Der VKU selbst war auf der IFAT mit einem großen Gemeinschaftsstand vertreten, der über die gesamten fünf Messetage sehr gut besucht war. Auf einer eigenen VKU-Stage konnten Besucherinnen und Besucher durchgängig Vorträge und Diskussionsrunden zu Themen rund um kommunale Abfallwirtschaft, Stadtsauberkeit, Wasser- und Abwasserwirtschaft hören. Damit bot der Verband allen Mitgliedern und interessierten Kommunen eine wichtige Plattform für den Erfahrungs- und Gedankenaustausch und machte die IFAT mit weiteren Formaten wie Gremientreffen, Preisvergaben und eigener Standparty zu einem echten Verbandshighlight. Einzelne kommunale Unternehmen gaben Einblicke in den Fortgang ihrer Bemühungen um Klimaneutralität. Der Eigenbetrieb Abfallwirtschaft Stuttgart (AWS) ist beispielsweise auf der Zielgeraden: Bis spätestens 2027 plant der Betrieb, welcher für den kompletten Fuhrpark der Landeshauptstadt zuständig ist, den Umstieg auf 100 Prozent alternativ angetriebene Fahrzeuge. Aktuell liegt er bei 60 Prozent. Dabei fahren alle Fahrzeuge vollelektrisch, wie AWS-Geschäftsführer Markus Töpfer im Gespräch mit Klimaschutz Kommune berichtete. Getestet würde derzeit aber auch ein Wasserstofffahrzeug.

Digitalisierung in der Stadtsauberkeit und Abfallwirtschaft

Der digitale Wandel beschäftigt Kommunen mehr denn je und zog sich durch nahezu alle Themenbereiche auf der IFAT. Digitale Systeme können insbesondere in der Daseinsvorsorge gewinnbringend zum Einsatz gebracht werden, wie beispielsweise bei der Stadtsauberkeit. Hier sind es Innovationen wie smarte Abfallbehälter im öffentlichen Raum, KI-Tools zur Messung der Sauberkeit und Erfassung von Schäden auf Straßen und Plätzen, die Kommunen in ihrer täglichen Arbeit unterstützen können. Frits Ladda, Sales Manager bei REMONDIS Digital, ist davon überzeugt, dass digitale Tools das Management vieler Aufgaben auf ein neues Level heben und vereinfachen werden. Als Voraussetzung sieht er dabei die Notwendigkeit, zentrale Strukturen für die Datenverarbeitung zu schaffen, was bereits zunehmend geschehe, so der Experte im Gespräch mit Klimaschutz Kommune. Auf der IFAT präsentierte das Unternehmen digitale Lösungen für die kommunale Kreislaufwirtschaft. Darunter bereits erprobte Systeme wie DATAFLEET, einem Tool zur Erfassung von Straßenschäden, sowie CORTEXIA, welches bei der Erfassung von Abfällen im städtischen Raum und Verbesserung von Prozessen in der Stadtsauberkeit eingesetzt wird.

Beide Systeme kommen aktuell beispielsweise in Hamburg zur Anwendung. Auf der VKU-Stage sprach Dennis Meybauer, stellvertretender Leiter der Stadtreinigung Hamburg AöR, über den Einsatz von CORTEXIA, welches an drei Großkehrmaschinen und einem der SRH-Lastenräder in der Hansestadt unterwegs ist. Die gesammelten Daten ermöglichen dann eine effizientere Ressourcen- und Tourenplanung und stellen damit die Sauberkeit in der Kommune bedarfsorientiert sicher. Mit dem smarten Kamerasystem mit der Bilderkennungssoftware DATAFLEET sind in Hamburg derzeit fünf Großkehrmaschinen ausgestattet. 

Das Tool prüft den Zustand von Straßen- und Verkehrsschildern und erkennt sogar illegale Abfallablagerungen. In beiden Fällen entlastet der Einsatz von KI-basierten Systemen die Mitarbeitenden des Unternehmen und trägt zu Effizienzsteigerung der Reinigung bei.

Am VKU-Stand informierte auch die Berliner Stadtreinigung (BSR) über ihre Erfahrungen mit einem Wertstoffscanner. Dieser überprüft die Zusammensetzung von direkt im Abfallsammelfahrzeug. Eine Hochleistungskamera nimmt beim Laden der Tonnen ein digitales Bild der Abfälle auf. Die Scans werden über eine Online-Plattform abgerufen und Störstoffe mittels künstlicher Intelligenz identifiziert. Über GPS-Geodaten, die bei der Aufnahme der Bilder direkt miterfasst werden, können die jeweiligen Standorte zugeordnet und Mieterinnen und Mieter auf etwaige Fehlwürfe hingewiesen werden. In einem Pilotprojekt fanden sich vor allem Plastiktüten bzw. Bioplastiktüten im Abfall, die dort auf keinen Fall hineingehören. Durch die Anwendung des Scanners und entsprechenden Maßnahmen zur Sensibilisierung der Bürgerschaft erhöht die BSR ihre Bioabfallqualität und erhält damit eine verbesserte Grundlage für die Herstellung von Kompost sowie Gewinnung von Biogas.

Ganz ähnlich funktioniert auch die Anwendung der Angsa Robotics GmbH. Mithilfe einer KI erkennt und entfernt der Offroad-Reiniger Müllobjekte wie Zigaretten, Glas, Papier und Aluminium. In Parks, auf Grünflächen oder Eventgeländen sorgt das innovative Tool des jungen Münchner Unternehmens bei jedem Wetter für Stadtsauberkeit. Charlotte Schaumann von der Angsa Robotics GmbH betonte auf der IFAT den schonenden Umgang mit dem Untergrund sowie die Wirtschaftlichkeit und Reinigungsqualität dieser autonomen Reinigungsmaschine für unbefestigte Flächen.

Kreislaufwirtschaft partnerschaftlich gestalten

Abschließendes Highlight auf der IFAT 2024 war für Vertreterinnen und Vertreter aus Städten und Gemeinden der Tag der resilienten Kommune am Messedonnerstag. In Zusammenarbeit mit den kommunalen Spitzenverbänden gaben der VKU, die DWA sowie der Deutsche Verein des Gas- und Wasserfaches (DVGW) Impulse für eine nachhaltige und klimafreundliche Entwicklung in Kommunen und kommunalen Unternehmen. Denn eines hat die IFAT 2024 deutlich gemacht: Beim Aufbau von Klimaresilienz spielen Kommunen eine wichtige Rolle. Gleichwohl geht das nicht im Alleingang. Hier sind Kommunen auch auf die Unterstützung und innovative Lösungen aus der Privatwirtschaft angewiesen. Inwiefern Öffentlich-Private Partnerschaften (ÖPP) bei der Erbringung wichtiger Daseinsvorsorgeleistungen eine Option sind, konnten kommunale Entscheiderinnen und Entscheider am Stand von REMONDIS eruieren. Insgesamt zeigte die diesjährige IFAT unzählige Möglichkeiten auf, wie die Herausforderungen unserer Zeit gelöst werden könnten. VKU-Geschäftsführer Holger Thärichen ist überzeugt: „Wer im kommunalen Unternehmen Technik verantwortet und sich über Trends in diesem Bereich informieren will, der kommt an der IFAT nicht vorbei.“

Die Weltleitmesse für Umwelttechnologie demonstrierte eindrücklich, wie sich mit Ökologie verbinden lässt. Philipp Eisenmann, Exhibition Director IFAT Munich, betonte im Gespräch mit Klimaschutz Kommune den Dreiklang der Nachhaltigkeit, den die IFAT verfolgt: Auf der Messe sollten soziale, ökologische und ökonomische Dimensionen miteinander verbunden werden. „Wir schaffen hier ganz viele Formate, um unterschiedliche Stakeholder zusammenzubringen“, so Eisenmann. „Es bringt nichts, wenn der Kreis der Kreislaufwirtschaft nur auf der einen Seite gedacht wird und auf der anderen Seite nicht oder ganz anders.“ Hier alle Akteurinnen und Akteure zu beteiligen, isteine Zielsetzung der IFAT. „Das ist ein langer Weg. Aber ich habe auch den Eindruck, dass hier schon jetzt mehr partnerschaftlich als gegeneinander gedacht wird, um Kreislaufwirtschaft wirklich voranzubringen.“

Kommunen können sich schon jetzt den Termin für die nächste IFAT Munich vormerken. Die findet vom 4. bis 8. Mai 2026 in München statt.

München, Landeshauptstadt

Zur Kommunenseite
Bundesland Bayern
Einwohner 1.471.508 m: 717.308, w: 754.200
Größe 310.70 km²
4736 Einwohner je km²
Merkmale Großstädte und Hochschulstandorte mit heterogener sozioökonomischer Dynamik
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