Kommunale Herausforderung im Sommer 2026
Im Juni wurde Europa von einer Hitzewelle überzogen. Die ließ auch in Deutschland vielerorts das Thermometer auf über 40 Grad Celsius klettern – mit erheblichen Auswirkungen auf die kommunale Infrastruktur. Die größten Schäden verursachte die extreme Hitze vermutlich im Leipziger ÖPNV. Hier weichten die Rekordtemperaturen das Bitumen-Fugenmaterial zwischen den Gleisen auf, welches in die Schienen gelangte und den öffentlichen Nahverkehr zeitweise zum Erliegen brachte.
Aufgrund monatelanger Trockenheit und wochenlanger Hitze hatten Anfang Juli mehr als 80 Landkreise und Städte zum Wassersparen aufgerufen und die Wassernutzung eingeschränkt. Die Stadt München beispielsweise untersagte, private Pools zu füllen und den Rasen zu bewässern, nachdem der Verbrauch zuvor von durchschnittlich 300 auf über 360 Millionen Liter pro Tag angestiegen war. Zwar sind die Einschränkungen inzwischen wieder aufgehoben, die strukturelle Wasserknappheit bleibt aber bestehen. Münchens Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne) sagte dazu: „Die hohen Temperaturen und die anhaltende Trockenheit stellen nach wie vor eine Belastung für unsere Wasserversorgung dar.“
Welche Folgen hat extreme Hitze für kommunale Daseinsvorsorge?
Steigende Temperaturen stellen Kommunen in mehreren Bereichen gleichzeitig vor Herausforderungen. Hitze kann Straßen, Schienen und Brücken schädigen, die Wasserversorgung durch Trockenheit und steigenden Bedarf belasten und in der Abfallwirtschaft Brandrisiken sowie die Belastung für Beschäftigte und Technik erhöhen.
Hitze im Verkehr: Straßen, Schienen und ÖPNV werden anfälliger
Die jüngsten Schäden in Leipzig und Nürnberg zeigen exemplarisch, was Hitze im Verkehrsbereich anrichten kann und wie anfällig Verkehrsinfrastrukturen gegenüber Extremtemperaturen sein können. Um dem vorzubeugen, müssen sich Kommunen einige zentrale Fragen stellen:
- Welche Strecken und Anlagen sind besonders hitzegefährdet?
- Sind Materialien und Bauweisen der Verkehrsinfrastruktur auf die künftig erwartbaren Temperaturen ausgelegt?
- Welche Ausweichkonzepte sichern die Mobilität, wenn Teile der Infrastruktur nicht mehr nutzbar sind?
Dabei geht es nicht nur um den Schutz von Straßen, Schienen und Haltestellen. Entscheidend ist auch, wie kommunale Systeme organisiert sein müssen, damit der Ausfall einzelner Komponenten nicht die gesamte Daseinsvorsorge beeinträchtigt.
Wasserversorgung im Hochsommer: Nutzungskonflikte nehmen zu
Mit häufigeren Trockenperioden und einem steigenden Wasserbedarf verschieben sich die Herausforderungen zunehmend. Für Kommunen bedeutet das, sich frühzeitig mit zentralen Fragen auseinanderzusetzen:
- Welche Wassernutzungen müssen auch bei anhaltender Trockenheit sichergestellt werden?
- Wo können bei knapper werdenden Ressourcen Nutzungskonflikte entstehen?
- Nach welchen Kriterien lassen sich unterschiedliche Nutzungsansprüche priorisieren?
Ein aktuelles Beispiel liefert Niedersachsen: Dort wurden im Sommer 2026 vielerorts sehr niedrige Grundwasserstände gemeldet. Darauf reagierte das Land mit dem „Masterplan Wasser“ und zusätzlichen Investitionen in Anpassungsmaßnahmen. Oberste Priorität hat dabei die öffentliche Trinkwasserversorgung der Bevölkerung. Weiterhin plant das Land – gemäß dem Schwammstadt-Prinzip – Flächen zu entsiegeln, um mehr Rückhaltemöglichkeiten für Regenwasser zu schaffen, Zisternen und andere Regenwasserspeicher zu errichten sowie Gewässer und Auen zu renaturieren.
Abfallwirtschaft bei extremen Temperaturen: Belastung für Personal, Technik und Sicherheit
Ein oftmals unterschätzter Bereich, wenn es um extreme Hitze geht, ist die Abfallwirtschaft. Als Teil der kritischen Infrastruktur (KRITIS) ergeben sich für Kommunen und kommunale Unternehmen hier einige Belastungen, die sich negativ auf die Daseinsvorsorge auswirken können. Hier muss man sich fragen:
- Wie lässt sich die Arbeitsfähigkeit der Beschäftigten auch bei extremer Hitze sichern?
- Welche Fahrzeuge, Maschinen und Anlagen sind besonders anfällig bei hohen Temperaturen?
- Wo steigt bei Hitze die Brand- und Ausfallgefahr und welche Folgen hätte dies für den laufenden Betrieb?
Kommunen können hier gegensteuern, indem sie beispielsweise die betriebliche Organisation anpassen. Dazu gehören saisonalflexible Arbeitszeiten, zusätzliche Pausen- und Trinkregelungen, eine veränderte Touren- und Personalplanung sowie neue Anforderungen an Fahrzeuge und Standorte.
Hitzeschutzmaßnahmen: Was Kommunen jetzt tun können
Das Zentrum KlimaAnpassung (ZKA) versteht die Handhabung der vielfältigen Herausforderungen angesichts zunehmender Hitze ausdrücklich als Teil der kommunalen Daseinsvorsorge. Kommunen sollten deshalb besonders gefährdete Bereiche frühzeitig identifizieren, Ausfallrisiken bewerten und geeignete Maßnahmen priorisieren.
Kurzfristige Anpassungsmaßnahmen: Betriebsfähigkeit bei Hitze sichern
Kurzfristig geht es vor allem darum, den Betrieb während akuter Hitzeperioden aufrechtzuerhalten. Dazu gehören die Erstellung von Hitzeaktionsplänen, die Einrichtung von Frühwarnsystemen, Notfall- und Ausweichkonzepte sowie die bereits erwähnte Anpassung der Arbeitsorganisation.
Wie unterschiedlich solch kurzfristige Maßnahmen aussehen können, um die Beschäftigten der Abfallentsorgung bei hohen Temperaturen zu entlasten, zeigt sich in der Praxis: Der Abfallwirtschaftsbetrieb Esslingen (ABW ES) bei Stuttgart hat im Juni den Arbeitsbeginn vorübergehend um eine Stunde vorverlegt – auf sechs Uhr. Berlin Recycling stellt seinen Mitarbeitenden Kühlwesten, Kühltücher und Kühlmützen zur Verfügung. Das Recyclingunternehmen REMONDIS hat für seine Mitarbeitenden im Außeneinsatz indes ein Paket u. a. mit Sonnenbrille, Sonnenschutzspray und UV-Index-Karte geschnürt, um sich bei erhöhter Sonneneinstrahlung vor UV-Strahlung zu schützen.
Mittelfristige Anpassungsmaßnahmen: Infrastruktur hitzeresilient aufstellen
Mittelfristig müssen Kommunen Hitzeresilienz stärker bei ihren Investitions-, Beschaffungs- und Sanierungsentscheidungen einbeziehen. Kommunen sollten bei der Anschaffung technischer Systeme, Fahrzeuge, Materialien und Anlagen oder auch der Planung von Bauprojekten zukünftig immer mitdenken, wie zuverlässig diese bei Extremtemperaturen funktionieren. Darunter fällt beispielsweise die Kühlung kritischer Technik, die Beschattung von Haltestellen und öffentlichen Räumen sowie die Einrichtung dezentraler Wasser- und Speichersysteme.
Wie technische Anpassungen konkret aussehen können, zeigt erneut die Stadt Leipzig: Die LVB beispielsweise setzte infolge der Hitzeschäden im Juli am Gleisbett auf Steinmehl, um ein zukünftiges Aufweichen des Bitumens zu verhindern. Filderstadt im Kreis Esslingen hat Ende Juli einen Hitzeschutzraum im Kongresszentrum FILharmonie eingerichtet, andere Städte setzen auf begrünte Haltestellen.
Langfristige Anpassungsmaßnahmen: Städte und Gemeinden klimaresilient umstrukturieren
Doch Kommunen müssen auch langfristig Maßnahmen ergreifen, die dazu beitragen, die lokale Hitzebelastung zu reduzieren. Das geschieht etwa durch die Entsiegelung von Böden, Dach- und Fassadenbegrünung, Frischluftschneisen, das Pflanzen von mehr Stadtbäumen und eine insgesamt klimaresiliente Freiraumplanung. Maßnahmen zum Regenwasserrückhalt helfen zugleich dabei, Niederschläge vor Ort zu speichern und Wasser in Trockenperioden länger verfügbar zu halten.
Wie sich solche Maßnahmen strategisch verankern lassen, zeigen verschiedene Schwammstadt-Projekte. Berlin macht es mit der 2017 gegründeten Regenwasseragentur und dem Pilotprojekt Rummelsburger Bucht vor. Auch in Leipzig gibt es mit dem Projekt „Leipzig 416“ ein aktuelles Bauvorhaben zur Realisierung einer blau-grünen Infrastruktur. Hierfür wurde eigens das „Lenkungsnetzwerk wassersensible Stadtentwicklung“ aufgebaut, welches das Schwammstadt-Prinzip strategisch in die Praxis überführt.
Gerade solche naturbasierten Lösungen bieten aus Sicht des Umweltbundesamtes verschiedene Vorteile für Kommunen: Sie tragen zur Abkühlung der Luft bei, halten Regenwasser zurück, statt es abzuleiten, reduzieren Überflutungsrisiken und verbessern gleichzeitig die Aufenthaltsqualität in urbanen Gebieten.
Hitzeresilienz ist kommunale Gemeinschaftsaufgabe
Die Bereiche Verkehr, Wasserwirtschaft, Entsorgung, Stadtplanung, Gesundheit und Katastrophenschutz sind auf unterschiedliche Weise betroffen – zugleich voneinander abhängig. Entscheidend ist deshalb, Risiken und Maßnahmen fachbereichsübergreifend zu betrachten und klare Zuständigkeiten und Prioritäten festzulegen.
Für Kommunen stellt sich heute längst nicht mehr die Frage, ob sie sich an zunehmende Hitze anpassen müssen, sondern wie sie dies organisationsübergreifend umsetzen können. Es wird deshalb immer wichtiger für Städte und Gemeinden, sich für entsprechende Maßnahmen – ob kurz-, mittel- oder langfristig – mit anderen Kommunen und privaten Partnern auszutauschen oder zusammenzutun.