Kassel ist eine der grünsten Städte Hessens: Fast die Hälfte des Stadtgebiets besteht aus Grünflächen, Wiesen, Wäldern und Gartenanlagen. Hierzu gehört auch der zum UNESCO-Weltkulturerbe zählende Bergpark Wilhelmshöhe mit der mehr als acht Meter hohen Herkules-Statue, dem Wahrzeichen der Stadt. Doch Kassel ist nicht nur grün, sondern zugleich wissenschafts- und technologiestark: Als Universitätsstadt und Standort international tätiger Technologieunternehmen bringt Kassel beste Voraussetzungen für eine aktive Umsetzung des Klimaschutzes mit.
Kassels Weg zur Klimaneutralität bis 2030
Mit ihrem integrierten Klimaschutzkonzept will die Kommune ihre CO₂-Emissionen reduzieren. Im Mittelpunkt stehen dabei zwei zentrale Maßnahmen: die Steigerung der Energieeffizienz und der Ausbau erneuerbarer Energien. Während sich das erste unmittelbar auf kommunaler Ebene umsetzen lässt, ist die Nutzung erneuerbarer Energien nur im Verbund mit der gesamten nordhessischen Region klimawirksam.
Das im November 2012 von der Stadtverordnetenversammlung verabschiedete Konzept enthält einen Handlungsleitfaden mit konkreten Maßnahmen zur Reduzierung von Treibhausgasemissionen im gesamten Stadtgebiet. Hierzu gehören unter anderem die energetische Erneuerung des Wohngebäudebestands und die kontinuierliche energetische Optimierung kommunaler Liegenschaften. Die Maßnahmen wurden in einem Beteiligungsprozess gemeinsam mit lokalen Akteuren entwickelt. Auch der Ausbau des Fernwärmenetzes und die verstärkte Nutzung von in der Region produziertem Ökostrom (Wind-, Solar- und Biogasstrom) gehören dazu. Unter dem Motto „Kassel macht Watt“ fördert die Stadt den Ausbau der Solarenergie und unterstützt bei der Anschaffung von PV-Anlagen. Dafür bietet die Kampagne Privathaushalten und Unternehmen konkrete Einstiegshilfen – darunter Informationen zu Balkonkraftwerken, einen städtischen Solardachfinder sowie finanzielle Beteiligungsmodelle, sollten keine eigenen Dachflächen vorhanden sein. Ein Bereich des städtischen Klimaschutzes, den viele Kasseler Bürgerinnen und Bürger täglich erleben, ist der ÖPNV. Seit 2024 setzt die Kasseler Verkehrsgesellschaft (KVG) auf verschiedenen Linien E-Busse ein, die vollelektrisch Fahrgäste durchs Stadtgebiet transportieren.
Solartechnologie-Standort Kassel: Wie SMA und die Universität die Energiewende vorantreiben
Die Universität Kassel hat maßgeblich dazu beigetragen, dass Kassel heute eine Vorreiterrolle bei der Entwicklung von Solartechnologie einnimmt: 1981 wurde hier die SMA Regelsysteme GmbH gegründet, die heute unter dem Namen SMA Solar Technology AG firmiert und zu den wichtigsten internationalen Technologieunternehmen der Solarbranche zählt. Kassel profitiert als Unternehmensstandort hierbei in mehrfacher Hinsicht: Die SMA ist nicht nur einer der größten Arbeitgeber im gesamten Landkreis, zwischen der Stadt und dem Unternehmen besteht auch eine Energiepartnerschaft. Über ein sogenanntes Power Purchase Agreement (PPA) bezieht die SMA Strom direkt aus regionalen erneuerbaren Energiequellen, statt ihn über den allgemeinen Strommarkt zuzukaufen. Für Kassel zeigt diese Konstellation beispielhaft, wie auch andere große Stromabnehmer ihren Energiebezug auf erneuerbare Quellen umstellen können. Als direkter Partner setzen sich die Städtischen Werke AG und die SMA gemeinsam für die Energiewende in Kassel und Umgebung ein.
Auch die Forschung profitiert von dieser Konstellation: Im Verbundprojekt „Digital Twin Solar“ arbeiten SMA, die Universität Kassel, die Unternehmen eoda, Tesvolt und Keo sowie die Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg gemeinsam an der Optimierung von Photovoltaik-Anlagen und Speichersystemen mittels künstlicher Intelligenz. In einem anderen Projekt erforschte SMA beispielsweise gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik (IEE) mit Sitz in Kassel die Netzstabilität bei der Stromerzeugung durch erneuerbare Energien.
Starkregenvorsorge in Kassel: Entsiegelung und Dachbegrünung
Kassel liegt am Fluss Fulda und war in der Vergangenheit immer wieder von schweren Hochwasserereignissen betroffen. Von vergangenen Fluten, wie dem Hochwasser von 1643, zeugen heute noch historische Gebäude im Stadtgebiet mit Spuren der damaligen Pegelstände. In der jüngeren Vergangenheit führten auch starke Niederschläge, wie sie etwa im Juni 2023 auftraten, dazu, dass Teile der Stadt kurzzeitig unter Wasser standen. Um künftig Schäden durch Fluten zu minimieren und den Wasserfluss der Fulda zu regulieren, setzt Kassel verstärkt auf eine Starkregenvorsorge. Die Stadtverwaltung hat deshalb eine ämterübergreifende Projektgruppe ins Leben gerufen. Diese soll Entsiegelungsprojekte, Begrünungsmaßnahmen für Dächer und Fassaden sowie andere Vorhaben umsetzen, die dabei helfen, Kassel zu einer Schwammstadt zu machen.
Fernwärmeausbau zentral für Kassels kommunale Wärmeplanung
Die kommunale Wärmeplanung ist eines der Maßnahmepakete, die die Stadt in Zusammenarbeit mit Netzbetreibern, Energieversorgern, Wohnungsbaugesellschaften und Bürgerenergiegenossenschaften in Angriff genommen hat. Gemeinsam wollen die Beteiligten ein Konzept zur zielgerichteten Dekarbonisierung der Wärmeversorgung der Stadt erarbeiten. Zentral für die Kasseler Wärmeplanung ist der Ausbau des Fernwärmenetzes. Die genutzten Kraftwerke arbeiten mit Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) und leiten die Wärme über ein rund 207 Kilometer langes Rohrleitungssystem durch die Stadt. Ein Großteil der Kraftwerke setzt hierbei inzwischen auf regenerative Brennstoffe wie Holz und Klärschlamm sowie auf Wasserkraft.
Bürgerbeteiligung und Beratungsangebote für mehr Klimaschutz
Ein zentraler Baustein der Kasseler Klimapolitik ist der Klimaschutzrat der Stadt. In diesem Gremium erarbeiten Akteure aus Wirtschaft und Wissenschaft sowie Mitglieder von Vereinen und Organisationen aus Zivilgesellschaft und Kultur Empfehlungen für die städtische Klimapolitik. Der Klimaschutzrat ist nicht nur die erste Anlaufstelle für alle klimainteressierten Bürgerinnen und Bürger, um eigene Ideen und Vorschläge für Maßnahmen und Projekte anzubringen, sondern bietet darüber hinaus auch Möglichkeiten, um sich zu vernetzen und zu engagieren. Um dieses Engagement zu würdigen, hat die Stadt einen eigenen Klimaschutzpreis ins Leben gerufen, der Privatpersonen, Unternehmen und Vereine auszeichnet, die sich besonders für Nachhaltigkeit in Kassel einsetzen.
Die Stadt Kassel bezieht ihre Bürgerinnen und Bürger mit verschiedenen Maßnahmen aktiv ein. So werden sie beispielsweise dazu aufgerufen, sich am Projekt „Stadt der 100.000 Bäume” zu beteiligen: Um den Baumbestand der Stadt weiter zu erhöhen, verschenkte die Stadtverwaltung von Kassel hier Bäume für private Gärten und Grundstücke. Zu den Angeboten der Stadt gehören auch Beteiligungs-, Informations- und Aktionsformate wie die Europäische Mobilitätswoche und sogenannte Mitmachbaustellen. Bei Letzteren handelt es sich um gemeinschaftliche Bau- und Gestaltungsprojekte, bei denen Freiwillige unter fachlicher Anleitung bei ökologischen Bauvorhaben, im Naturgartenbau oder für energetische Sanierungen unterstützen können. So will die Stadt Kassel beispielsweise bei Schulprojekten und ähnlichen Vorhaben Kosten senken.