Trinkwasserbedarf im Hitzesommer: Wasserversorger unter Druck
Für Hessenwasser GmbH war die Hitzeperiode Ende Juni ein echter Stresstest: An sechs Tagen in Folge wurden im Versorgungsgebiet des Wasserversorgers mehr als 400.000 Kubikmeter Trinkwasser abgegeben – der Jahresdurchschnitt liegt bei etwa 300.000 Kubikmetern täglich. Laut Geschäftsführerin Elisabeth Jreisat sind die Grundwasserressourcen zwar stabil, aber die „eigentliche Herausforderung liegt in solchen Phasen in den technischen Kapazitäten von Wasserwerken, Speichern, Pumpwerken und Transportleitungen, die die hohen Wassermengen innerhalb kurzer Zeit bereitstellen und verteilen müssen.“ Um die Wasserversorgung langfristig an die Folgen des Klimawandels und veränderte Verbrauchsmuster anzupassen, seien kontinuierliche Investitionen in die Infrastruktur und die weitere Umsetzung regionaler Vorsorgekonzepte für die Wasserversorgung notwendig.
Wie belastbar ist die kommunale Wasserversorgung?
Die Folgen von Hitze und Trockenheit sind in der Wasserwirtschaft deutlich spürbar [INTERNER LINK: News Wasserressourcen zunehmend unter Druck; News September 2025]. Das zeigt auch eine Umfrage des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU) unter 127 Wasserversorgern. „Die kommunale Wasserwirtschaft ist der Herausforderung gewachsen, aber die Belastung nimmt zu“, sagt VKU-Vizepräsident Karsten Specht. Fast die Hälfte der befragten Unternehmen berichtete von einer steigenden Nachfrage in Hitzeperioden. Gut ein Viertel hatte in den vergangenen Jahren bereits zeitweise mit infrastrukturellen oder ressourcenseitigen Engpässen zu kämpfen. Langfristig erwarteten zwei Drittel der befragten Wasserversorger eine moderate bis deutliche Zunahme von Engpässen, so das Ergebnis der Umfrage.
In der Praxis führt das zu regional begrenzten Maßnahmen. So durften im vergangenen Sommer Bürgerinnen und Bürger aus dem Landkreis Anhalt-Bitterfeld ihre Gärten nur zu festgelegten Zeiten bewässern, im Landkreis Potsdam-Mittelmark galt ein Bewässerungsverbot aus Brunnen und die Stadt Brandenburg an der Havel erließ wegen des Niedrigwasserstands ein generelles Verbot der Wasserentnahme aus oberirdischen Gewässern sowie eine zeitliche Einschränkung der Grundwassernutzung. Im Kreis Siegen-Wittgenstein drohten bei Verstößen gegen ein Wasserentnahmeverbot sogar Bußgelder von bis zu 50.000 Euro.
Da jedes Bundesland ein eigenes Wasserrecht hat, gibt es bislang keine bundesweite Regelung, wer bei Wassernutzung Vorrang hat bzw. zuerst sparen muss. Deshalb haben einschlägige Verbände wie der VKU und der Deutsche Städtetag gemeinsam eine Handreichung zur Einschränkung der Trinkwasserverwendung in Hitzesommern erarbeitet. Hier finden Kommunen Orientierung zu Nutzungsbeschränkungen und Verwendungsverboten.
Hitzeschutz: Trinkwasserversorgung in Kommunen
Die Versorgungsfrage im Kontext von Hitzeschutz betrifft vor allem ein zentrales Handlungsfeld von Kommunen: den Ausbau öffentlicher Trinkwasserbrunnen. Mit der Neufassung des Wasserhaushaltsgesetzes aus dem Jahr 2023 gehört es zu den Pflichtaufgaben der Daseinsvorsorge. Sofern technisch machbar, sind Kommunen dazu angehalten, entsprechende Brunnen in Parks, Fußgängerzonen und Einkaufspassagen aufzustellen.
Darüber hinaus gilt es, die Wasserversorgung insgesamt auf häufigere und intensivere Hitzeperioden auszurichten. Dazu gehört, Leitungsnetze, Speicher- und Pufferkapazitäten sowie technische Anlagen nicht mehr allein am durchschnittlichen Verbrauch, sondern auch an möglichen Spitzenlasten auszulegen. Ebenso sollten Kommunen klare Kriterien und abgestufte Maßnahmen für mögliche Nutzungsbeschränkungen vorbereiten und diese frühzeitig sowie transparent kommunizieren. Unterstützt werden können entsprechende Investitionen durch Förderprogramme von Bund und Ländern, die den Ausbau von Trinkbrunnen und weiterer Klimaanpassungsinfrastruktur vielfach mit hohen Zuschüssen fördern. Insbesondere in strukturschwachen oder wasserarmen Regionen kann zudem eine interkommunale Zusammenarbeit dazu beitragen, die Versorgung langfristig zu sichern.
Trinkbrunnen und Wasserresilienz: Best-Practice-Beispiele aus Kommunen
Wie sich Kommunen wasserresilient aufstellen können, zeigen zahlreiche Praxisbeispiele: So tragen in Dresden zwei mobile, barrierearme Trinkwasserbrunnen mit Vernebelungsfunktion in der Innenstadt und Neustadt zur Abkühlung bei; auch Hunde können sich hier erfrischen. Die Stadt Münster erhält im Rahmen des Landesprogramms „Klimaanpassung.Kommunen.NRW“ zehn neue Trinkwasserbrunnen. Bis zu 80 Prozent der förderfähigen Kosten übernimmt dabei das Land. In Karlsruhe stehen Bürgerinnen und Bürgern im Stadtgebiet 36 Trinkbrunnen zur Verfügung. Diese sind über den digitalen „Stadtplan für heiße Tage“ auffindbar. Im Rems-Murr-Kreis in Baden-Württemberg haben sich sechs Gemeinden im interkommunalen Verbund Wasserwerk Murrtal zusammengeschlossen, um gemeinsam ihre Wasserversorgung zu sichern.
VKU fordert Vorrang der öffentlichen Wasserversorgung
Die jüngst zurückliegenden Hitzetage verdeutlichen, wie dringlich eine ernsthafte Auseinandersetzung mit der zukünftigen Trinkwasserversorgung ist. Kommunen müssen sowohl eine robuste Infrastruktur für die Versorgung auch bei Spitzenlasten gewährleisten als auch sichtbare, niedrigschwellige Angebote zum Hitzeschutz im öffentlichen Raum schaffen. Damit das gelingt, sind aus Sicht des VKU auch geeignete politische Rahmenbedingungen erforderlich. Dazu zählen insbesondere der Vorrang der öffentlichen Wasserversorgung bei Nutzungskonflikten, vereinfachte Planungs- und Genehmigungsverfahren für Klimaanpassungsmaßnahmen sowie ausreichende Fördermittel für den Umbau zu einer klimaresilienten Wasserinfrastruktur. Nur so lassen sich notwendige Investitionen sozialverträglich stemmen.