Potsdam verfolgt beim Klimaschutz einen ganzheitlichen Ansatz. Die Landeshauptstadt setzt auf einen ambitionierten Masterplan, fördert bürgerschaftliches Engagement und ist Heimat eines der weltweit renommiertesten Klimaforschungsinstitute. Mit innovativen Projekten wie der Tiefengeothermie-Anlage zeigt Potsdam, wie kommunaler Klimaschutz in der Praxis aussehen kann, und setzt damit ein starkes Signal weit über seine Stadtgrenzen hinaus.
Potsdam ist vor allem seit dem frühen 18. Jahrhundert unter dem preußischen König Friedrich Wilhelm I. von Preußen, dem „Soldatenkönig“, für die Umgestaltung und Erweiterung des Stadtgebiets bekannt. Die Stadt entwickelte sich zur Garnisonsstadt mit zahlreichen Soldaten und Kasernen. Mit dem eigens errichteten Holländischen Viertel wurden zudem Handwerker angeworben, die in der Residenzstadt arbeiten sollten – ein Viertel, das bis heute einen Besuch wert ist.
Sein Sohn, Friedrich II., genannt „der Große“, ließ das ikonische Schloss Sanssouci errichten, das Potsdams berühmtestes Wahrzeichen ist. Die vielen Schlösser, Gärten und Lustanlagen laden zum Entdecken und Verweilen ein und machen die Stadt zu einem malerischen Rückzugsort für Touristen und Einheimische. Doch Potsdam erfindet sich immer wieder neu. Heute steht die Stadt vor einer anderen Gestaltungsaufgabe: dem Klimaschutz. Wie einst die Preußenkönige das Stadtbild prägten, gestaltet Potsdam heute den Wandel hin zu einer klimaneutralen Zukunft.
Potsdams Klimaschutzstrategie: Masterplan Klimaschutz, Maßnahmen und Förderprogramme
Die Landeshauptstadt ist seit 1995 Mitglied im Klima-Bündnis der europäischen Städte und setzt derzeit den Masterplan „100 % Klimaschutz“ um. Damit sollen 95 Prozent der Treibhausgasemissionen im Vergleich zu 1995 reduziert werden, um weitgehend Klimaneutralität zu erreichen. Die geplanten und bereits laufenden Projekte sind verschiedenen Handlungsfeldern zugeordnet: Stadtplanung, Energieversorgung, Gebäude, Wirtschaft, private Haushalte und Konsum, Mobilität, Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit sowie CO₂-Senkung.
Über den Klimamonitor der Stadt Potsdam, ein eigens entwickeltes Webtool, können Interessierte den aktuellen Stand der jeweiligen Projekte und Maßnahmen in den einzelnen Handlungsfeldern einsehen. Derzeit befinden sich rund 62 Prozent aller Maßnahmen in der Umsetzungsphase, 4 Prozent sind bereits erfolgreich abgeschlossen oder in laufende Prozesse integriert. Mit dem integrierten CO₂-Zukunftsgenerator kann zudem die Zielerreichung kontinuierlich nachverfolgt werden.
Maßnahmen zum Klimaschutz beschränken sich dabei nicht auf die Stadtverwaltung allein. Auch Bürgerinnen und Bürger sind eingeladen, sich für ihre Stadt zu engagieren. Potsdam hat dafür ein besonderes Förderprogramm aufgelegt: die Klimaschutzförderrichtlinie. Einwohnerinnen und Einwohner können Fördergelder für Projekte wie Balkonkraftwerke, die Anschaffung von Lastenrädern oder größere Baumpflanzaktionen beantragen. Die Nachfrage zeigt, dass das Programm gut angenommen wird: 2024 war das Budget für Investitionsfördermaßnahmen wegen des großen Interesses bereits frühzeitig ausgeschöpft. Die Förderung wird Ende Mai fortgesetzt, sobald die Haushaltssatzung in Kraft getreten ist.
Klimaschutz in Potsdam: Von der Bürgerinitiative bis zur Wissenschaft
Der städtische Masterplan bildet zwar den Rahmen, doch einigen Potsdamerinnen und Potsdamern geht die Umsetzung nicht schnell genug. Die Initiative PotsdamZero setzt sich dafür ein, dass Klimaneutralität nicht erst 2050, sondern bereits 2035 erreicht wird. Sie versteht sich als zivilgesellschaftlicher Motor, der die Politik zu mehr Tempo ermutigt. Dabei orientiert sich die lokale Klimainitiative an den Zielen des bundesweit agierenden Vereins GermanZero, der sich für eine schnellere Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen und die Einhaltung des Pariser Klimaabkommens von 2015 einsetzt.
Dass das Thema in Potsdam so ernst genommen wird, ist kein Zufall: Die Stadt ist Heimat eines der weltweit bedeutendsten Klimaforschungsinstitute. Das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) untersucht seit seiner Gründung im Jahr 1992 vielfältige Aspekte rund um globale Erwärmung, Emissionen, nachhaltige Entwicklung und die dazugehörigen Folgen für die Welt und die Gesellschaft. Viele der Ergebnisse nehmen direkten Einfluss auf die Diskussionen und Beschlüsse in Politik und Gesellschaft.
Klimafreundliche Entsorgung in Potsdam: STEP als Vorreiter für Elektromobilität und Digitalisierung
Auch die Stadtentsorgung Potsdam (STEP), ein gemeinsames Unternehmen der kommunalen Stadtwerke Potsdam GmbH und REMONDIS in Form einer Öffentlich-Privaten Partnerschaft (ÖPP), nimmt den Klimaschutz sehr ernst und ist damit ein wichtiger Vorreiter in ganz Brandenburg: Als erstes Entsorgungsunternehmen des Bundeslandes setzte die STEP auf vollelektrische Sammelfahrzeuge und erweitert ihre Flotte kontinuierlich um Fahrzeuge mit alternativen Antrieben.
Doch die STEP geht nicht nur in Bezug auf klimafreundliche Abfalllogistik neue Wege: Auch die Digitalisierung spielt eine Zentrale Rolle, um die Effizienz der täglichen Arbeit deutlich zu steigern und den Bürgerinnen und Bürgern mehr Komfort zu bieten. Der digitale Wertstoffhof, der sich mit der MAEX-App auch außerhalb der regulären Öffnungszeiten besuchen lässt, sowie die durch KI-gestützte Lösungen wie CORTEXIA unterstützte Stadtreinigung setzen dabei neue Maßstäbe.
Tiefengeothermie in Potsdam: Erdwärme für tausende Haushalte
Das Geothermieprojekt der Energie und Wasser Potsdam GmbH (EWP) gilt im Bereich der Wärmewende als Leuchtturmprojekt: Die neu errichtete Anlage hat eine Leistung von rund 4 Megawatt und erreicht mit Bohrungen Tiefen von bis zu 2.000 Metern. Damit können rund 6.900 Haushalte in Potsdam mit Wärme versorgt werden.
Geothermie – in Potsdam Tiefengeothermie – hat gegenüber anderen Energiequellen den Vorteil, dass sie konstant, unabhängig von Wetter oder Jahreszeit, emissionsfreie Energie liefert. Zum Vergleich: Ein großes Windrad liefert zwar etwas mehr als 5 Megawatt, allerdings nur bei ausreichend kräftigem Wind. Auch vergleichbare Solaranlagen erreichen diese Leistung nicht: Um die Wärme der Potsdamer Geothermieanlage zu produzieren, wäre eine Anlage mit etwa der neunfachen Leistung erforderlich. Dafür wäre eine Fläche von rund 70.000 Quadratmetern mit leistungsstarken Kollektoren nötig. Zudem liefern Solarthermieanlagen in der Regel dann am meisten Wärme und Energie, wenn der Bedarf am geringsten ist – im Sommer.
Kein Wunder, dass EU-Kommissar Dan Jørgensen die Anlage bei seinem Besuch als „Flaggschiff-Projekt in Europa“ bezeichnete. Die EWP plant bereits, in den kommenden Jahren bis zu zehn weitere Geothermie-Anlagen in Potsdam zu errichten.
Klimaengagement in Potsdam: Bürgerengagement und Klimapreis
Klimaschutz ist in Potsdam eine gemeinsame Aufgabe. Jede und jeder Einzelne ist eingeladen, sich einzubringen. Die Stadt würdigt das Engagement mit dem Potsdamer Klimapreis. Bewerben können sich Bürgerinnen und Bürger, Unternehmen, Vereine, Ehrenamtliche und Initiativen. Im Vordergrund stehen der konkrete Nutzen und die Übertragbarkeit auf den Klimaschutz in Potsdam. Bevorzugt werden kreative sowie besonders zukunftsfähige Projekte. Unterstützt wird der Preis durch das Netzwerk „Climate Hub“, das Unternehmen und Initiativen miteinander vernetzt. Wer sich einbringen möchte, findet in Potsdam viele Möglichkeiten und kann sich aktiv für eine lebenswerte Zukunft engagieren. Mit dem Solardachkataster können Bürgerinnen und Bürger zudem prüfen, ob sich ihr Dach für die Installation von Solaranlagen oder für eine Dachbegrünung eignet.