Stadt Goslar – Historisches Erbe und moderner Klimaschutz
Die Stadt Goslar ist eine große selbständige Kommune in Niedersachsen und liegt am Nordrand des Harzes. Über Jahrhunderte prägte der Erzabbau am Rammelsberg die wirtschaftliche Entwicklung der Region und brachte der Stadt Wohlstand. Heute verbindet die über tausendeinhundertjährige Kaiserstadt ihr UNESCO-Welterbe mit zeitgemäßem Klima- und Umweltschutz sowie dem gezielten Einsatz von Smart-City-Technologien.
Die Stadt Goslar liegt zwischen der niedersächsischen Landeshauptstadt Hannover und Göttingen in unmittelbarer Nähe zur Landesgrenze von Sachsen-Anhalt. Die Gose beziehungsweise Abzucht, die direkt durch die Goslarer Altstadt fließen, münden in dem naheliegenden Fluss Oker. Die Kaiserpfalz, deren Ursprünge bis ins frühe 11. Jahrhundert zurückreichen, und der historische Bergbau machten Goslar bereits im Hochmittelalter zu einem bedeutenden kulturellen und wirtschaftlichen Zentrum des römisch-deutschen Kaiserreichs. Heute leben knapp 50.000 Bürgerinnen und Bürger in der niedersächsischen Stadt.
Mit dem Ende des Erzabbaus am Rammelsberg im Jahr 1988 begann ein umfassender Strukturwandel: weg von der Montanwirtschaft, hin zu einer Kultur- und Tourismusregion mit starkem Fokus auf Nachhaltigkeit, Biodiversität und Klimaschutz.
Kommune mit biologischer Vielfalt
Ein zentraler Schwerpunkt der Stadt Goslar ist der Erhalt und die Förderung der biologischen Vielfalt. Seit 2019 ist die Kommune Mitglied im Verein „Kommunen für biologische Vielfalt“, einem Zusammenschluss von mehr als 400 Kommunen, die sich aktiv für den Schutz von Lebensräumen, Artenvielfalt und genetischer Vielfalt einsetzen.
In Goslar wird der städtische Raum gezielt genutzt, um Biodiversität sichtbar und erlebbar zu machen. Dazu zählen Grünflächen, die extensiv bewirtschaftet oder mit Schafen beweidet werden, die Aussaat von Wildblumen auf Verkehrsinseln sowie Maßnahmen zum Erhalt von Altbäumen im Stadtgebiet. Bereits zu Beginn der Mitgliedschaft setzte Goslar auf eine aktive Bürgerbeteiligung und initiierte einen Wettbewerb für naturnah und nachhaltig gestaltete Gärten. Die große Resonanz zeigte, wie stark das Thema Biodiversität in der Stadtgesellschaft verankert ist.
Eine besondere Rolle spielt auch der Goslarer Stadtwald, der sich über mehr als 3.000 Hektar erstreckt und damit der größte Stadtwald Niedersachsens ist. Als wichtiger Natur- und Erholungsraum leistet er einen bedeutenden Beitrag zum Klima- und Umweltschutz. Im Projekt „Wald für Morgen“ werden Aufforstung, ein sensibler Umgang mit den Waldbeständen, die nachhaltige Nutzung von Holz sowie künstlerische Elemente miteinander verknüpft. Rund drei Hektar Fläche werden neu bepflanzt und renaturiert. Vor allem Schülerinnen und Schüler aus der Region sind aktiv eingebunden und lernen so frühzeitig die Bedeutung des Waldes für Nachhaltigkeit und Klimaschutz kennen.
Stadtgrün³ – mehr Grün für die Innenstadt
Neben der Förderung der Biodiversität unterstützt die Stadt Goslar auch konkrete Initiativen von Bürgerinnen und Bürgern. Im Rahmen des Projekts „Stadtgrün³“ werden Maßnahmen zur Begrünung von Fassaden und Dächern sowie zur ökologischen Neugestaltung von Hofflächen gefördert. Dazu zählen unter anderem Entsiegelungsmaßnahmen und die Pflanzung standortgerechter Vegetation. Der Schwerpunkt des Förderprogramms liegt auf dem innerstädtischen Bereich. Ziel ist es, das Stadtklima spürbar zu verbessern, Hitzeinseln zu reduzieren und die Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum nachhaltig zu erhöhen.
Goslar als Biostadt
Seit dem Jahr 2020 engagiert sich die Stadt Goslar verstärkt im Bereich Ökolandbau und Bio-Lebensmittel. Als Mitglied des Netzwerks „Biostädte“ setzt sich die Kommune dafür ein, den Einsatz biologisch erzeugter Produkte in öffentlichen Einrichtungen auszubauen und regionale Erzeugerinnen und Erzeuger stärker einzubinden.
Ein zentrales Ziel ist es, das Angebot an Bio-Lebensmitteln in Kantinen, Kitas und anderen kommunalen Einrichtungen kontinuierlich auszubauen. Gleichzeitig werden Bürgerinnen und Bürger für die Vorteile ökologischer Landwirtschaft und regionaler Wertschöpfung sensibilisiert.
Digitaler Hochwasserschutz für die Harzregion
Klimaschutz hat viele Facetten und umfasst auch in Goslar die Anpassung an die Folgen des Klimawandels. Dazu gehören Maßnahmen zum Hochwasserschutz, da die Stadt und die Harzregion bereits von extremen Wetterereignissen betroffen waren. Besonders die Überflutungen im Jahr 2017 führten zu erheblichen Schäden in der Goslarer Altstadt.
Um künftig frühzeitig auf Hochwassergefahren reagieren zu können, setzt die Stadt Goslar gemeinsam mit EURAWASSER Goslar, einem Unternehmen der REMONDIS-Gruppe, auf moderne digitale Technologien. Mithilfe von Sensorik, Kameras und Anwendungen aus dem Bereich des Internets der Dinge (IoT) lassen sich potenzielle Gefahren frühzeitig erkennen und Präventionsmaßnahmen rechtzeitig einleiten.
Im Gemeinschaftsprojekt EXDIMUM, das unter anderem mit der TU Clausthal, der Universität Kiel sowie der REMONDIS Aqua Industrie GmbH & Co. KG umgesetzt wurde, standen das Management von Extremwasserereignissen und die Ursachen von Hochwasser im Mittelpunkt. Aus dem Forschungsprojekt gingen zahlreiche Konzepte und Maßnahmen hervor: Sensoren und Kameras überwachen kritische Flussabschnitte, während spezielle Rechen im Ernstfall verhindern, dass Treibgut in die Innenstadt gelangt. Die gewonnenen Erkenntnisse kommen nicht nur der Stadt Goslar, sondern der gesamten Harzregion zugute.
Smart City über den Hochwasserschutz hinaus
Auch über den Hochwasserschutz hinaus nutzt Goslar Smart-City-Technologien zur nachhaltigen Stadtentwicklung. Über das energieeffiziente Funknetz LoRaWAN (Long Range Wide Area Network) werden in Echtzeit Daten zu Besucherströmen, Verkehr, Parkplatzauslastung und Wetter erfasst und ausgewertet.
Unterstützt wird die Stadt Goslar dabei von der ehrenamtlichen Initiative SmartHarz, die eine überregionale LoRaWAN-Infrastruktur im Harz aufbaut und betreibt. Die gewonnenen Daten helfen dabei, kommunale Abläufe effizienter zu gestalten, Ressourcen zu schonen und die Lebensqualität in der Stadt weiter zu verbessern.