Circular Economy City Anastasiia @ Adobe Stock
Abfall 8. April 2026

Wege zu einem effektiven Stoffstrommanagement in Kommunen

Der Begriff „Circular Cities“ prägt zunehmend stadtplanerische und politische Diskussionen in Städten und Gemeinden. Immer mehr Kommunen entwickeln sich in diese Richtung – im Sinne der Kreislaufwirtschaft. Lokale Stoffströme werden gezielt gesteuert, regionale Ressourcen gesichert und die Wertschöpfung vor Ort gestärkt. Dieser Ansatz ist nicht nur ökologisch sinnvoll: Gerade die lokale Kreislaufführung knapper werdender Ressourcen kann auch dazu beitragen, den steigenden Kostendruck für Kommunen zu reduzieren. Doch wie lässt sich der Wandel hin zur Circular City konkret gestalten?

Kommunen nutzen Stoffstrommanagement, um ihre lokalen Abfallströme systematisch zu analysieren und zu steuern. Ziel ist es, wertvolle Sekundärrohstoffe zurückzugewinnen und erneut in den Wirtschaftskreislauf einzuspeisen. Dieses Vorgehen entspricht den Zielen des europäischen Kreislaufwirtschaftsrechts (Circular Economy Act), dessen Verabschiedung für Ende 2026 vorgesehen ist. Die EU fördert damit Maßnahmen, die darauf abzielen, Materialien möglichst lange im Kreislauf zu halten, Recyclingquoten zu steigern und den Einsatz recycelter Rohstoffe zu sichern. Stoffstrommanagement umfasst sowohl strategische Zielsetzungen als auch deren konkrete Umsetzung in kommunale Maßnahmen und Prozesse. Wie Kommunen dabei konkret vorgehen, lässt sich in sechs zentralen Schritten darstellen:

Schritt 1: Zielklärung und politische Verankerung

  • Leitbild festlegen (z. B. „ressourceneffiziente Kommune“)
  • politischen Beschluss fassen
  • Zuständigkeiten in Verwaltung und Beteiligungsgesellschaften festlegen
Schritt 2: Bestandsaufnahme der Stoffströme und Priorisierung
  • relevante Stoffströme identifizieren (z. B. Abfälle, Wasser/Abwasser, Energie und Baustoffe)
  • Mengen, Qualitäten, Kosten und Emissionen der Stoffströme analysieren sowie Infrastrukturen überprüfen
  • Stoffströme mit hohem Ressourcenpotenzial ausfindig machen und Handlungsfelder priorisieren

Schritt 3: Strategien und Maßnahmenplan erarbeiten sowie Zuständigkeiten festlegen

  • übergreifende Strategie formulieren und konkrete Maßnahmen ableiten (z. B. Getrenntsammlung ausbauen)
  • koordinierende Stelle einrichten
  • Zusammenarbeit mit Eigenvertrieben, Stadtwerken, Entsorgern und regionaler Wirtschaft vereinbaren
Schritt 4: Umsetzung mit Pilotprojekten
  • in ausgewählten Quartieren oder Stoffströmen Pilotprojekte starten (z. B. Bioabfall-Optimierung)
Schritt 5: Monitoring, Reporting und Anpassung
  • Kennzahlen für Stoffströme und Ressourceneffizienz definieren und regelmäßig berichten
  • Maßnahmen anhand der Ergebnisse nachsteuern
Schritt 6: Kommunikation und Beteiligung
  • Bürgerinnen und Bürger, Unternehmen, Schulen und Vereine einbinden (z. B. Informationskampagnen und Beteiligungsformate)
  • Erfolge sichtbar machen, um Akzeptanz und Mitwirkung innerhalb der Bevölkerung zu erhöhen

Stoffströme und Ressourcenpotenziale

Laut aktueller Rohstoffstudie des RWI (Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung) liegt der Anteil an Sekundärrohstoffen am Gesamtrohstoffbedarf derzeit bei 15,2 Prozent (Stand: 2025). Wie im Rohstoffsituationsbericht 2024 der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe zu lesen ist, stammen etwa 72 Prozent des Aluminiums, 46 Prozent des Rohstahls sowie 41 Prozent des Kupfers hierzulande aus dem Angebot an Recyclingrohstoffen. Ein erhebliches Potenzial steckt in kommunal relevanten Fraktionen wie Haushalts-, Gewerbe- und Bauabfällen. Auch Bioabfälle und organische Reststoffe wie lassen sich noch zur Energieerzeugung oder Phosphorrückgewinnung nutzen.

Voraussetzung für eine wirksame Kreislaufführung ist eine systematische Bestandsaufnahme aller relevanten Stoffströme nach Menge, Herkunft, Verwertungswegen und stofflicher Qualität. Darauf aufbauend definieren Kommunen konkrete Ressourcenziele, z. B. Erhöhung der Recyclingquote, Verringerung von Restabfällen sowie verstärkter Einsatz von Sekundärrohstoffen in öffentlichen Bauprojekten. Auf Basis einer detaillierten Analyse aller relevanten Stoffströme entwickelt die Kommune eine entsprechende Strategie sowie Einzelmaßnahmen, um die Stoffströme mit dem höchsten Recyclingpotenzial sinnvoll zu lenken.

Folgende Rezyklate können über Stoffstrommanagement lokal gewonnen werden:

  • Beton, Ziegel (z. B. aus Bauschutt)
  • Stahl (z. B. aus Demontage)
  • Eisen, Kupfer, Aluminium (z. B. aus Schrott, Elektroaltgeräten)
  • Glas (z. B. aus PV-Modulen, Altglas)
  • (z. B. aus Grünschnitt)
  • Kunststoff (z. B. aus Verpackungsabfällen)
  • Phosphor (z. B. aus Klärschlamm)
  • Kraftstoff (z. B. aus altem Speiseöl oder Frittierfett)

Zentrale Koordinierungsstelle und regionale Netzwerke

Eine gute Strategie ist nichts ohne die Menschen dahinter, die sich um eine zielorientierte Umsetzung bemühen. Deshalb gilt es im nächsten Schritt, klare Verantwortlichkeiten in Form einer übergeordneten Projektgruppe zu benennen. Als zentrale Koordinierungsstelle – idealerweise bestehend aus verschiedenen relevanten Fachbereichen innerhalb der Kommunalverwaltung – bündeln die hier zuständigen Personen Daten zu den verschiedenen Stoffströmen, konkretisieren Zielvorgaben und führen fächerübergreifende Aufgaben zusammen. Das beinhaltet auch die Einbeziehung externer Akteure sowie den Aufbau regionaler Netzwerke für eine effizientere Ressourcennutzung.

Stoffstrommanagement ist eine komplexe Aufgabe, die nur im Verbund mit Entsorgungsunternehmen und ansässiger Wirtschaft gelingt. In Rheinland-Pfalz gibt es mit dem „Bündnis Kreislaufwirtschaft auf dem Bau“ seit einigen Jahren eine Initiative zur Etablierung eines effizienten kommunalen Stoffstrommanagements. Hier arbeiten u. a. die Landesministerien für Wirtschaft und Finanzen, die kommunalen Spitzenverbände, die Architekten- und die Ingenieurkammer, die Handwerkskammer Rheinland-Pfalz sowie die ansässige Bauwirtschaft zusammen. Ziel der Bündnispartner ist es, den selektiven Rückbau bei öffentlichen Abrissmaßnahmen konsequent umzusetzen und verstärkt Recyclingbaustoffe bei neuen Projekten im Hoch- und Tiefbau einzusetzen. Damit sollen Ressourcen geschont, Baukosten reduziert und knappe Deponiekapazitäten entlastet werden.

Lokale Infrastruktur und Datenmanagement

Die effektive Lenkung von Stoffströmen setzt eine systematische Erfassung kommunaler Abfälle voraus. Eine wichtige Stellschraube ist hier der kommunale , wo Abfälle sachgerecht gesammelt, sortiert und in passende Verwertungswege gelenkt werden. Um das volle Potenzial von Wertstoffhöfen als zentrale für ein lokales Stoffstrommanagement auszuschöpfen, müssen diese umfassend in die kommunale Abfalllogistik eingebettet sein. Zudem braucht es Personal, welches fachlich im Umgang mit den verschiedenen Abfallfraktionen geschult ist, sowie eine Servicekultur, die sich an den Bedürfnissen der Bürgerinnen und Bürger orientiert. Dazu zählen arbeitnehmerfreundliche Öffnungszeiten, gute Erreichbarkeit, geringe Wartezeiten sowie vielseitige Rückgabemöglichkeiten.

Bewährt haben sich in den vergangenen Jahren Modelle wie der digitale Wertstoffhof, wie er beispielsweise im Landkreis Coesfeld zu finden ist. Was zunächst als Pilotprojekt angelegt war, befindet sich nun längst im Dauerbetrieb: Über ein Self-Service-System erhalten Bürgerinnen und Bürger einen flexiblen Zugang zum Wertstoffhof und können ihre Abfälle zu eigens gebuchten Zeiten – einfach per App – abgeben.

spielt auch eine wichtige Rolle, um physische Abläufe innerhalb der gesamten Abfallverwertungskette messbar, transparent und steuerbar zu machen. Was gewissermaßen das Herzstück eines effizienten Stoffstrommanagements ist. Das funktioniert über smarte Sensorik und digitale Erfassungssysteme, die Daten in Echtzeit ausgeben und Informationen über Menge, Herkunft und Qualität von Abfällen liefern sowie Füllstände von öffentlichen Abfalleimern oder Abfallsammelfahrzeugen anzeigen. Verknüpft mit Verwaltungsportalen haben Kommunen die Möglichkeit, Sammlung und Logistik anhand realer Datensätze noch besser auszuwerten und zu planen. Damit können sie Stoffströme nicht nur verwalten, sondern aktiv optimieren und in regionale Kreisläufe einbringen.

Mit ÖPP zum effizienten Stoffstrommanagement

Um lokal ein effizientes Stoffstrommanagement zu etablieren, sind Kommunen auf die Unterstützung Dritter angewiesen. Hier bieten sich Öffentlich-Private Partnerschaften an, die den Kommunen gleich mehrere Vorteile bringen: Etablierte Recyclingdienstleister verfügen über modernste Technologien für eine effiziente und ressourcenschonende Sammlung, Sortierung und Verwertung von Abfällen; gleichermaßen bringen sie die Erfahrung mit, wie neue Verfahren und Prozesse sinnvoll in kommunale Abläufe implementiert werden können. Durch eine wettbewerbsorientierte Arbeitsweise des privaten Partners stehen Kommunen in einer ÖPP finanziell zumeist besser da und verfügen über höhere Investitionsmittel.

Kommunen wie Freiburg im Breisgau, Frankfurt am Main und Düsseldorf arbeiten seit vielen Jahren in ÖPP an der lokalen Kreislaufführung von Abfallströmen. Mit dem Ziel „Green City Freiburg“ fördert die und Stadtreinigung Freiburg GmbH (ASF) ein nachhaltiges und ressourceneffizientes Wirtschaften. Drei städtische Recyclinghöfe sowie eine gut aufgestellte Sammellogistik tragen zu einer gezielten Erfassung der verschiedenen Abfallarten bei. Durch den privaten Partner kann die Stadt auf modernste Anlagen zugreifen, um eine wertschöpfende Behandlung der Abfälle zu gewährleisten.

Ähnliche Ansätze finden sich auch in den beiden anderen Großstädten. „Konstruktive Kräfte bündeln“ ist der Ehrgeiz des Oberbürgermeisters der Stadt Frankfurt, Mike Josef: „Die Willigen, die Konstruktiven, jene, die praktikable Lösungen für die Probleme der Stadt und ihre Zukunft suchen, möchte ich zusammenführen.“

Wertschöpfung vor Ort für nachhaltiges Wirtschaften

Abfallwirtschaft im 21. Jahrhundert bedeutet ausdrücklich Kreislaufwirtschaft. Durch den ständig steigenden Konsum und knapper werdende Rohstoffe steigen die Anforderungen an einen nachhaltigen Umgang mit Ressourcen. Mit einem strategisch ausgerichteten und steuerungswirksamen Stoffstrommanagement können Kommunen einiges dazu beitragen, um diesen Anspruch lokal zu realisieren. Regionale Kooperationen und starke Partnerschaften mit erfahrenen Dienstleistern erleichtern die Umsetzung und sorgen für effiziente Prozesse. Dabei sollten Kommunen auch Bürgerinnen und Bürger sowie lokale Unternehmen, Vereine und Verbände mit einbeziehen, um eine breite Akzeptanz für Neuerungen beim ressourcenorientierten Wirtschaften vor Ort zu schaffen. So unterstützt kommunales Stoffstrommanagement nicht nur das von Abfällen und trägt zur Ressourcenschonung bei, sondern ermöglicht regionalen Akteuren auch, nachhaltige Sekundärmaterialien zu beziehen.

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Die Redaktion von Klimaschutz Kommune veröffentlicht Fachbeiträge, Analysen und Hintergrundartikel zu kommunalen Daseinsvorsorge, Kreislaufwirtschaft und Öffentlich-Privaten-Partnerschaften.

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