Luftaufnahme von Recyclingbehältern in lebendigen Farben, die einen Kreis um ein grünes Recyclingsymbol bilden und Nachhaltigkeit fördern. Sunshine @ Adobe Stock
4. Mai 2026

ÖPP in der Kreislaufwirtschaft: Längst bewährt, aber immer noch die Ausnahme

Wie steuern und verwerten wir Materialströme nachhaltig? Und wie schaffen wir vor Ort Strukturen, um zirkuläres Wirtschaften zu fördern? Diese Fragen stellen sich aktuell viele kommunale Entscheiderinnen und Entscheider. Die Antwort lautet oft: erst einmal ausprobieren. Doch so plausibel das klingt, greift es inzwischen zu kurz. Denn Kreislaufwirtschaft ist in zahlreichen Städten und Gemeinden längst erprobte Praxis. Gemeinsam mit privaten Partnern betreiben sie Recyclinganlagen und gewinnen aus Abfällen Strom und Wärme. Und dennoch sind Öffentlich-Private Partnerschaften bislang nicht flächendeckend etabliert.

Was kommunale Kreislaufwirtschaft bereits kann

Bioabfälle werden in Vergärungsanlagen zu Energie und Dünger, digitalisierte Wertstoffhöfe unterstützen ein effektives Stoffstrommanagement und smarte, klimaneutrale Fahrzeuge sorgen für Stadtsauberkeit und geringere CO2-Emissionen. Was wie eine Vision klingt, ist in einigen Kommunen schon Realität: funktioniert und wird gelebt – im Großen wie im Kleinen.

Gleichwohl ist zirkuläres Wirtschaften für die Mehrzahl der Kommunen immer noch Neuland, auch wenn die Anforderungen daran stetig steigen. Mit dem und dem hierin formulierten Circular Economy Act hat die EU einen festen Rahmen für die Etablierung einer Kreislaufwirtschaft in Europa gesetzt. Die Nationale Kreislaufwirtschaftsstrategie greift diese Anforderungen auf und formuliert konkrete Ziele, an denen sich Städte und Gemeinden grundsätzlich orientieren können.

Die Umsetzung kommunaler Kreislaufwirtschaft bleibt dabei keineswegs nur Theorie: Es gibt bereits bewährte Lösungen, belastbare Ergebnisse und messbare Fortschritte für einen effizienten Umgang mit Ressourcen und eine verstärkte Nutzung von Recyclingrohstoffen. Einen großen Anteil dieser praxiserprobten Lösungen setzen Kommunen gemeinsam mit privaten Partnern um.

Kreislaufwirtschaft funktioniert mit ÖPP – nachweislich


ÖPP in der Kreislaufwirtschaft beschreiben eine Zusammenarbeit zwischen Kommunen und privaten Unternehmen mit dem gemeinsamen Ziel, Abfälle ressourcenorientiert und effizient zu sammeln und zu verwerten. Die beiden Partner ergänzen sich hierbei auf vielfältigste Weise, um eine zielgerichtete Planung, Umsetzung und den schlussendlichen Betrieb des Vorhabens zu realisieren.

Ein Beispiel für eine gemeinschaftlich etablierte Kreislaufwirtschaft findet sich in Stettin. Zusammen mit dem Recyclingdienstleister REMONDIS hat die polnische Stadt eine aufgebaut. Durch Tunnelkompostierung können hier pro Jahr etwa 40.000 Tonnen Bioabfälle umweltschonend behandelt und zu hochwertigem verarbeitet werden. In Deutschland liefert der Landkreis Heidekreis in Niedersachsen ein gutes Beispiel für ein gemischtwirtschaftliches Projekt im Bereich der Bioabfallverwertung. Zusammen mit der Firma Kompotec hat die öffentlich-rechtliche Heidekreis (AHK) eine ÖPP zur Errichtung und zum Betrieb einer Bioabfallvergärungsanlage gegründet. Seit 2021 werden hier Bioabfälle aus dem Landkreis mittels Kaskadennutzung sowohl energetisch als auch stofflich verwertet.

Eine der größten Städte mit einer etablierten Kreislaufwirtschaft hierzulande ist Frankfurt am Main. Bereits seit 1998 arbeitet die Stadt im öffentlich-privaten Unternehmen Frankfurter Entsorgungs- und Service GmbH (FES) daran, zirkuläres Wirtschaften zum Standard im Rhein-Main-Gebiet zu machen. Neben der klassischen Sammlung von Abfällen steht hier die ressourceneffiziente Verwertung und Gewinnung von Recyclingrohstoffen im Fokus. Dazu gehört – wie auch in Stettin und im Heidekreis – die Weiterverarbeitung organischer Abfälle zu Kompost und Energie. Auch andere Haushaltsabfälle werden hier mittels moderner Anlagen so behandelt, dass ein beträchtlicher Anteil an Wertstoffen zurückgewonnen werden kann. Die durch thermische Abfallverwertung entstandene Energie im lokalen Müllheizkraftwerk kommt in Form von Strom und Wärme den Menschen zugute.

Diese Beispiele sind keine Einzelfälle. Allein REMONDIS gibt an, in mehr als 70 ÖPP mit Kommunen im Bereich Kreislaufwirtschaft zusammenzuarbeiten. Eine aktuelle Studie des Leipziger Kompetenzzentrums für öffentliche Wirtschaft, und (KOWID) hat 92 Kommunen um eine Einschätzung von ÖPP in der Praxis gebeten. Das Ergebnis: 61 Prozent der Kommunen halten eine Zusammenarbeit mit privaten Partnern für sinnvoll – darunter insbesondere ÖPP-erfahrene Städte und Gemeinden. Kommunale Kreislaufwirtschaft funktioniert also und ÖPP scheint ein probates Mittel für eine erfolgreiche Umsetzung und einen effizienten Betrieb zu sein.

Was verhindert die Skalierung kommunaler Kreislaufwirtschaftsprojekte?

Trotz funktionierender Praxis bleiben aber viele Projekte im Bereich kommunaler Kreislaufwirtschaft lokal stecken. Dabei scheitert ihre Skalierung zumeist nicht am Konzept. Es ist vielmehr der fehlende Austausch, der die Übertragung erprobter Modelle in andere Kommunen zu verhindern scheint. Kommunen ohne ÖPP-Erfahrung stehen entsprechenden Projekten tendenziell kritisch gegenüber – und zwar nicht, weil es keine Evidenz für deren Gelingen gibt, sondern weil sie das Wissen um den Erfolg einer solchen Zusammenarbeit nicht erreicht.

Das ist leider auch ein strukturelles Problem: Es fehlen Plattformen und Netzwerke, die eine systematische Auswertung von Projekten sichtbar machen und eine Übertragung erfolgreicher Lösungen auf andere Städte und Gemeinden ermöglichen. Und so beginnt jede Kommune letztlich bei null: Sie bewertet Risiken, die andernorts längst als lösbar erkannt wurden, und schreibt Konzepte, die woanders bereits umgesetzt und evaluiert wurden. Kommunen erfinden also das Rad immer wieder neu – und verlieren dabei wertvolle Zeit.

Was bereits existiert – und was fehlt

„Zirkuläres Handeln setzt ein Infragestellen bisheriger Denkmuster und Praktiken in allen Bereichen voraus“, konstatieren Sandra Wagner-Endres und Jochen Monstadt vom Deutschen Institut für Urbanistik. Im Magazin „Städtetag aktuell“ attestieren die Wissenschaftler Kommunen eine zentrale Rolle, um den Wandel unserer Gesellschaft hin zur Kreislaufwirtschaft zu ermöglichen. Die größten Stellschrauben von Kommunen sehen sie dabei in den Bereichen öffentliche Beschaffung, Ver- und Entsorgung, Mobilität, Bauplanung und Wirtschaftsförderung. Um „Fragmente aus kommunalen Modellprojekten, Reallaboren und Handlungshilfen in die Breite auszurollen“, bedarf es laut Wagner-Endres und Monstadt des Zusammenwirkens aller Ebenen des föderalen Systems in Deutschland und der EU. Durch einheitliche Ressourcenschutzziele, Standards, konkrete Umsetzungsverordnungen sowie Förder- und Beratungsstrukturen würde ein systematischer Übergang zum zirkulären Wirtschaften ermöglicht.

Mit dem Verband kommunaler Unternehmen (VKU) gibt es insbesondere für die Versorgungs- und Entsorgungswirtschaft eine etablierte Institution, die ihre Mitglieder u. a. rund um das Thema kommunale Abfallwirtschaft berät und informiert. Zudem fördert der Verband den Erfahrungsaustausch zwischen den Mitgliedern und bildet Fachkräfte aus und weiter. Auch das Institut für angewandtes Stoffstrommanagement (IfaS) ist ein wichtiger Akteur, der verschiedene Netzwerke zur Analyse, Steuerung und Verbesserung von Material- und Abfallströmen koordiniert. Das Institut setzt selbst Projekte im Bereich Stoffstrommanagement um und hat es sich gleichzeitig zur Aufgabe gemacht, das Wissen zu einer nachhaltigen Gestaltung von Stoffstromsystemen international besser verfügbar zu machen. Auf Landesebene sind es Initiativen wie das Netzwerk zum kommunalen Stoffstrommanagement des rheinland-pfälzischen Landesamts für Umwelt. Hier können sich Kommunen über entsprechende Aktivitäten anderer Städte und Gemeinden informieren und Handlungsimpulse erhalten.

Für eine nachhaltige Etablierung von Kreislaufwirtschaft bedarf es jedoch mehr einheitlicher Austauschformate und übertragbarer Standards. Das ist auch eine Aufgabe von Bund und Ländern, welche neben Projektförderungen ebenso Plattformen und Netzwerke für einen systematischen Wissenstransfer bereitstellen müssen.

Fazit: Skalieren statt laborieren!

Kreislaufwirtschaft in Kommunen funktioniert und das nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch. Das beweisen zahlreiche Beispiele wie Stettin, Frankfurt am Main, der Heidekreis sowie weitere Städte und Gemeinden in Deutschland und Europa. Sie haben gelernt, Stoffströme aus Haushaltsabfällen sinnvoll zu steuern und nutzbar zu machen. Vorhaben, die zunächst als Pilotprojekte begannen, haben sich längst verstetigt und liefern stabile Ergebnisse. Eine bewährte Lösung ist dabei in vielen Fällen eine Öffentlich-Private Partnerschaft (ÖPP), in der Kommune und privater Partner gemeinsam an der effizienten Umsetzung einer lokalen Kreislaufwirtschaft arbeiten.

Von dem Wissen und der Erfahrung, die aus einer solchen Zusammenarbeit entstehen, können auch andere Kommunen profitieren – bspw. in Form von Erfahrungsberichten der FES, Betriebsdaten der Kompostierungsanlagen, Studien des KOWID und Netzwerken des VKU. All dieses Wissen gilt es, strukturiert und anwenderfreundlich aufzubereiten und zu teilen. Dann müssen Kommunen nicht mehr länger laborieren, sondern können gleich skalieren und sich in die Reihe derer begeben, die die Vision von Kreislaufwirtschaft schon heute leben.

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Die Redaktion von Klimaschutz Kommune veröffentlicht Fachbeiträge, Analysen und Hintergrundartikel zur kommunalen Daseinsvorsorge, Kreislaufwirtschaft und Öffentlich-Privaten Partnerschaften.

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