Mobilitätswende in Berlin: Was die Hauptstadt vom Pariser ÖPNV lernen kann Bildnachweis
Verkehr 3. März 2026

Mobilitätswende in Berlin: Was die Hauptstadt vom Pariser ÖPNV lernen kann

Am 28. Januar lud die IHK Berlin zum Kongress „Weltmetropole Berlin: Internationale Perspektiven für Stadtentwicklung und Mobilität“. Im Fokus der Veranstaltung stand die Frage, wie die Bundeshauptstadt zunehmenden Verkehr, Klimawandel sowie Wohnungs- und Flächenknappheit meistern kann. Aus dem Bereich Mobilität brachte Ralph Müller-Beck von Transdev spannende Einblicke aus Paris mit – sowohl in eine innovative ÖPNV-Lösung als auch in potenziell zukunftsweisende Partnerschaften.

Wie alle Metropolen sieht sich auch Berlin aktuell mit mehreren Krisen gleichzeitig konfrontiert. In der stetig wachsenden Hauptstadt nimmt der Verkehr seit Jahren zu, während Flächen verknappen und der Wohnungsmarkt sich zusehends verteuert. Bei einer verkehrs- und städteplanerischen Bewältigung dieser Probleme ist immer auch der zu berücksichtigen. Auf dem Kongress „Weltmetropole Berlin“ Ende Januar nahmen Akteurinnen und Akteure aus Politik, Wirtschaft, Verwaltung und Stadtgesellschaft diese Themenfelder genauer ins Visier. Eine der zentralen Fragen der Veranstaltung: „Wie bleibt Berlins Verkehrssystem trotz multipler Krisen widerstandsfähig und funktionsfähig?“ Im Fokus standen dabei Best Practices von internationalen Vorreitern – und was Berlin von diesen lernen kann.

Pariser Seilbahn Câble C1: Innovative Lösung für urbane Engpässe

Eines dieser Musterbeispiele brachte Ralph Müller-Beck, Head of Government Relations
Transdev Deutschland, aus Paris mit. Dort wurde Ende letzten Jahres die längste urbane Seilbahnlinie Europas – Câble C1 – in Betrieb genommen. Das von Transdev betriebene „schwebende“ Verkehrssystem überspannt eine Strecke von 4,5 Kilometern und verbindet fünf Haltestellen. Die insgesamt 105 Kabinen mit Platz für jeweils zehn Personen fahren im 22- bis 27-Sekunden-Takt und transportieren täglich rund 11.000 Passagiere – und das vollelektrisch, leise und emissionsarm.
Das Besondere an diesem Pariser Projekt ist, dass es mehrere verkehrstechnische und städtebauliche Probleme gleichzeitig adressiert.

Zum Vergleich: Ein Ausbau des kommunalen Schienennetzes, egal ob Straßenbahn oder U-Bahn, wäre mit extrem hohen Kosten verbunden und erforderte sehr lange (im Fall einer U-Bahn-Erweiterung jahrzehntelange) Bauzeiten. Hinzu kämen massive Eingriffe in den Straßenraum und zusätzlicher Flächenverlust. Allesamt Punkte, die auch politisch schwer vermittelbar sind. Weitere Busse als günstigere, schnelle Alternative würden wiederum den angespannten Straßenverkehr zusätzlich belasten und steckten sozusagen im demselben Stau wie der Individualverkehr fest. Die Seilbahn hingegen punktet mit einer geringen Baulaufzeit (das Pariser System wurde innerhalb von drei Jahren gebaut), niedrigen Baukosten und einem kleinen räumlichen Fußabdruck. Ralph Müller-Beck erzählt: „Die Seilbahn war das einzige System, das unter den gegebenen politischen, räumlichen und finanziellen Bedingungen überhaupt realisierbar war.“

Was in Paris insbesondere überzeugt habe, sei indes nicht nur der bauliche, sondern der betriebliche Aspekt gewesen: konstante Fahrzeiten, hohe Pünktlichkeit, einfache Betriebsführung (und somit geringer Personalbedarf), klare Schnittstellen zu bestehenden Netzen sowie hohe Systemverfügbarkeit.

Partnerschaften als Schlüssel: Öffentliche Steuerung, private Effizienz

Auf dem Verkehrspodium des Kongresses stellte Ralph Müller-Beck jedoch nicht nur die neue Pariser Seilbahn vor. Er erklärte am Beispiel von Câble C1 auch, wieso für einen flächendeckend zuverlässigen und günstigen ÖPNV von morgen Mut, Partnerschaft und neue Systeme entscheidend seien. So brauche es insbesondere den politischen Mut, Innovationen wie ein urbanes Seilbahnsystem überhaupt erst in Erwägung zu ziehen. Berlin müsste dabei den Betrieb priorisieren: Stabilität vor Symbolpolitik, Alltagstauglichkeit vor Visionen. Es gelte zu prüfen, was wirklich funktioniert. Zudem sollte die Bundeshauptstadt Öffentlich-Private Partnerschaften pragmatisch nutzen – mit öffentlicher Steuerung, privater Effizienz und gemeinsamer Verantwortlichkeit.

Diese Einschätzung passt vermutlich nicht nur zu Weltmetropolen wie Berlin oder Paris. Bundesweit stehen – vom ländlichen Raum bis zu den Großstädten – Kommunen vor der Aufgabe, die Weichen für eine moderne, sozialverträgliche und klimafreundliche Mobilität zu stellen. Politische Maßnahmen wie das Deutschlandticket etwa sind zwar aus sozialer und ökologischer Sicht gut und richtig. Sie verlieren aber ihre Wirksamkeit, wenn sie wegen Unzuverlässigkeit der Verkehrssysteme nicht genutzt werden oder sich schlicht nicht finanzieren lassen. Starke Partnerschaften und Mut zu Innovationen können dazu beitragen, einen technologieoffenen, zukunftsfähigen und finanzierbaren ÖPNV für alle zu schaffen.

Berlin, Stadt

Zur Kommunenseite
Bundesland Berlin
Einwohner 3.644.826 m: 1.792.801, w: 1.852.025
Größe 891.12 km²
4090 Einwohner je km²
Merkmale Großstädte und Hochschulstandorte mit heterogener sozioökonomischer Dynamik
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