In Deutschland entstehen jährlich etwa 400 Millionen Tonnen Abfälle. Deren Sammlung, Sortierung, Aufbereitung und Verwertung gelingt nur durch das Zusammenspiel zahlreicher Akteure der Kreislaufwirtschaft. Diese verfügt über eine leistungsfähige und technologisch hoch entwickelte Infrastruktur mit etwa 13.500 Behandlungs- und Entsorgungsanlagen und rund 322.000 Beschäftigten. Insgesamt erwirtschaftet die Branche etwa 38 Milliarden Euro Bruttowertschöpfung, wie der Statusbericht der deutschen Kreislaufwirtschaft 2026 zeigt.
Seit 2018 liefert der Bericht regelmäßig Kennzahlen und Informationen zu Abfallmengen, Recyclingquoten, Rohstoffversorgung sowie regulatorischen und technologischen Entwicklungen. Damit bietet er einen umfassenden Überblick zur Realität des zirkulären Wirtschaftens hierzulande. Finanziell unterstützt und inhaltlich begleitet wurde der diesjährige Bericht von 15 Branchenverbänden, darunter der Verband kommunaler Unternehmen e.V. (VKU), der Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Kreislaufwirtschaft e.V. (BDE) sowie der Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung e.V. (bvse).
Sekundärrohstoffe und Recyclingpotenziale in deutschen Kommunen
Obwohl der überwiegende Teil der Kreislaufwirtschaft privatwirtschaftlich organisiert ist, werden abfallwirtschaftliche Aktivitäten zu einem nicht unerheblichen Teil von öffentlichen Einrichtungen und Unternehmen durchgeführt – etwa 11 Prozent. Zudem fungieren Kommunen als Auftraggeber, betreiben Infrastrukturen wie Kläranlagen, Deponien und Sortieranlagen und gestalten Abfallsysteme.
Ein großer Teil der hierzulande verfügbaren Sekundärrohstoffe stammt aus kommunal relevanten Abfällen: Private Haushalte erzeugen rund 36,7 Millionen Tonnen Abfälle, davon 35 % Restabfall, 28 % Bio- und Grünabfälle sowie 20 % getrennt erfasste Wertstoffe wie PPK (Papier, Pappe und Kartonagen), Glas, Leichtverpackungen und Textilien. Ein Großteil dieser Abfälle lässt sich recyceln. Mit einer Kreislaufquote von 14,8 % liegt Deutschland aktuell etwas über dem EU-Durchschnitt von 12,2 % – jedoch weit hinter dem Spitzenreiter Niederlande (32,7 %). Insgesamt decken Sekundärrohstoffe derzeit etwa 15,2 % des Gesamtrohstoffbedarfs.
Die höchsten Recyclingquoten finden sich bei Sekundärbaustoffen: Etwa 72 % des Aluminiums, 62 % des Bleis, 46 % des Rohstahls, 41 % des Kupfers und 24 % des Zinks stammen aus Sekundärrohstoffen. Weitere Recyclingpotenziale bergen insbesondere nichtmetallische Mineralien und Biomasse, so die Einschätzung im Statusbericht.
Warum Recycling in Deutschland noch nicht ausgeschöpft ist
Trotz funktionierender Infrastruktur bleibt die praktische Umsetzung der Kreislaufwirtschaft hinter den technischen Möglichkeiten und regulatorischen Anforderungen zurück, so das Resümee. Ein wesentliches Hemmnis liege paradoxerweise im Kreislaufwirtschaftsgesetz (KrWG). So kritisiert der Bericht, dass die Begriffe Verwertung und Recycling hier sehr großzügig definiert seien, sodass auch die energetische Nutzung – also Verbrennung zur Energiegewinnung – als Verwertung zähle. Die offiziellen Recyclingquoten spiegelten daher nicht zwangsläufig die tatsächliche Rückführung von Materialien in den Kreislauf wider.
Zudem gelten für Sekundärrohstoffe und Recyclingprodukte oft strengere Anforderungen als für Primärrohstoffe. Umweltbehörden forderten immer neue Formen der Datenerfassung, Analyse und Bewertung von Betrieben der Kreislaufwirtschaft, heißt es im Statusbericht. Auch das Recycling selbst gestalte sich zunehmend schwieriger, da viele (Primär-)Produkte mittlerweile aus Verbundstoffen hergestellt würden, die teilweise schädliche Additive enthielten und nicht mehr recyclingfähig seien.
Ein weiteres Hindernis liege außerdem in der geringen Nachfrage nach Recyclingrohstoffen. Zwar würden entsprechende Produkte produziert, deren Vermarktung sei laut Statusbericht aber ein „sehr volatiles Geschäft“, da sie im Wettbewerb mit Import- und Neuware konkurrierten und es oftmals noch Vorbehalte gegenüber Recyclingprodukten gäbe. Diese Faktoren trügen u. a. dazu bei, dass Umsatz- und Unternehmenszahlen in der Kreislaufwirtschaft rückläufig seien.
Nachhaltige öffentliche Beschaffung stärkt die Kreislaufwirtschaft
Bei der Förderung von Kreislaufwirtschaft spielt die öffentliche Hand eine Schlüsselrolle: Sie vergibt im Jahr Aufträge in dreistelliger Milliardenhöhe und verfügt laut Statusbericht damit über ein „einzigartiges Potenzial, den Markt für Recyclingprodukte zu beeinflussen“. Durch ihre Lenkungswirkung könne sie entscheidende Veränderungen anstoßen. Dennoch werden laut Vergabestatistik nur etwa 14 % der öffentlichen Aufträge unter Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien vergeben.
Zwar enthält das KrWG Vorgaben zur nachhaltigen Beschaffung (§ 45), diese reichten jedoch nicht aus, um Zirkularität systematisch zu verankern, konstatiert der Bericht. Es fehle vor allem eine stärkere Verknüpfung von Green Public Procurement (GPP) mit dem Vergaberecht. Einige Verbände fordern deshalb die Einführung einer Berichts- oder Nachweispflicht der öffentlichen Hand für den Einsatz von Produkten mit Recyclinganteil sowie eine Begründungspflicht für Fälle, in denen solche Produkte nicht beschafft werden.
Vor allem Kommunen können hier eine Vorreiterrolle einnehmen. Durch eine konsequent nachhaltige Beschaffung tragen sie wesentlich dazu bei, den Einsatz von Recyclingrohstoffen zu erhöhen und damit die Kreislaufwirtschaft in Deutschland weiter zu stärken. Bis zum nächsten Statusbericht, voraussichtlich 2028, wird sich zeigen, ob die politischen Rahmenbedingungen künftig für mehr Verbindlichkeit sorgen.