Bis 2035 will die Stadt Jena klimaneutral sein. Hierfür ist die kommunale Wärmeplanung ein essenzieller Baustein. „Die Umstellung des Energiesystems von klimaschädlichen fossilen Brennstoffen hin zu sauberen erneuerbaren Energien zählt zu den größten Herausforderungen unserer Zeit. Ob diese Energiewende gelingt, ist jedoch maßgeblich vom Erfolg der Wärmewende abhängig“, so Kevin Muschalle-Momberg, Leiter der Stabsstelle Klima in Jena. Die Erstellung eines entsprechenden Plans zur klimaneutralen Wärmeversorgung erfordert aber einen erheblichen Aufwand: Der kommunale Gebäudebestand, Wärmebedarf und die lokale Versorgungsinfrastruktur müssen umfassend analysiert werden – eine Mammutaufgabe.
Um hier zu schnellen und hochwertigen Ergebnissen zu kommen, hat die Stadt einen externen Dienstleister beauftragt. Innerhalb von anderthalb Jahren legte das Planungsbüro Hamburg Institut Consulting (HIC) einen soliden Entwurf sowie eine interaktive Karte und einen Maßnahmenkatalog vor, wie die Zeitung für kommunale Wirtschaft (ZfK) berichtet. Damit ist Jena auf der sicheren Seite – nicht nur, was die fachliche Ausarbeitung der Wärmeplanung angeht. Die Stadt in Thüringen kommt auch der gesetzlichen Anforderung nach, dass große Städte ab einem Einwohnerwert von 100.000 bis zum 30. Juni 2026 ein Konzept zur zukünftigen Planung einer treibhausgasneutralen Wärmeversorgung vorlegen müssen.
Wärmeplanung in Deutschland nach Gemeindegrößen
Von den rund 11.000 Kommunen in Deutschland können laut Wärmewendeatlas des Kompetenzzentrums Kommunale Wärmewende (KWW) etwas mehr als 1.000 einen Plan vorweisen, wie die Wärmewende vor Ort gestaltet werden soll. Innerhalb der Großstädte, zu denen auch Jena zählt, haben etwa 42 Prozent eine Planung vorgelegt. Gemeinden mit einem Einwohnerwert von 10.000 bis 100.000 können sich noch bis zum 30. Juni 2028 Zeit lassen. Von den rund 1.500 mittleren bis mittelgroßen Gemeinden haben derzeit jedoch schon etwa 13 Prozent einen fertigen Wärmeplan.
Mit rund 29.000 Einwohnerinnen und Einwohnern gehört Landsberg am Lech zu diesen mittleren Kommunen. Auf Initiative des städtischen Klimaschutzbeirats erfolgte hier bereits 2022 der Beschluss, eine entsprechende Planung durchzuführen. Diese wurde – wie auch in Jena – ausgelagert: Nach einer Ausschreibung erhielt die Lechwerke AG (LEW) den Auftrag; unterstützt wurde der privatwirtschaftliche Energieversorger dabei von dem Tech-Start-up digikoo. 2023 starteten die Partner mit der Arbeit – auch unter Einbezug der Bürgerinnen und Bürger sowie Umwelt- und Energieinitiativen. Im November vergangenen Jahres lag der Abschlussbericht vor.
Vereinfachte Prozesse für kleine Kommunen
Kleinere Kommunen stehen noch am Anfang ihrer Planung. Sie verfügen oftmals über geringe bis keine Kapazitäten, eine so aufwendige Bestandsaufnahme selbst durchzuführen oder zu finanzieren. So liegt die Quote der Gemeinden mit abgeschlossener Planung aktuell bei 5 Prozent. 42 Prozent haben erst damit begonnen, einen entsprechenden Plan zu erstellen. „Mit den kleinen Kommunen steht und fällt die Wärmewende“, konstatiert das KWW. Immerhin gehören etwa 85 Prozent der Gemeinden in Deutschland zu den kleinen Kommunen mit einem Einwohnerwert von unter 10.000.
Damit auch kleine Gemeinden fristgerecht eine Planung für die Wärmewende erstellen können, ermöglicht der Gesetzgeber verkürzte oder vereinfachte Prozesse: Sie müssen weniger Akteure in ihre Planung einbeziehen; um Wärmebedarf und -potenziale zu ermitteln, können sie bereits vorhandene Daten verwenden; und sie müssen geringere Anforderungen an Analysen und Dokumentation erfüllen. Zudem können sich kleine Kommunen zusammentun und im so genannten Konvoi-Verfahren einen gemeinsamen Wärmeplan erstellen.
Eine interaktive Karte des Kompetenzzentrums Kommunale Wärmewende zeigt, wo Gemeinden in puncto Wärmeplanung stehen. Zudem liefert die Karte Praxisbeispiele zur Umsetzung der Wärmewende.
Förderungen sichern: BAFA, KfW und Landesmittel für Wärmeplanung
Einige Länder unterstützen ihre Kommunen außerdem mit Geld aus dem Budget des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen. Hier stehen bis 2028 zweckgebundene Fördermittel in Höhe von insgesamt 500 Milliarden Euro zur Verfügung.
Die Stadt Jena hat die Erstellung ihrer kommunalen Wärmeplanung vor allem mit Fördermitteln aus der Kommunalrichtlinie der Nationalen Klimaschutzinitiative finanziert. Diese ist jedoch seit Inkrafttreten des Wärmeplanungsgesetzes abgelaufen. Auch Bundesprogramme zur Förderung der kommunalen Wärmeplanung gibt es seit Ende 2023 nicht mehr. Zusatzförderungen bieten aber aktuell die KfW mit dem Zuschuss „Energetische Stadtsanierung“ und das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) mit Modul 1 aus der Bundesförderung für effiziente Wärmenetze (BEW).
Beim Kompetenzzentrum Kommunale Wärmewende (KWW) finden Kommunen alle Fördermöglichkeiten zur Planung der Wärmewende.
Um den Austausch zwischen Kommunen und Unternehmen zu unterstützen, hat das KWW zudem ein Dienstleisterverzeichnis zusammengestellt. Hier finden Gemeinden eine Übersicht von Unternehmen, die sie bei der Wärmeplanung unterstützen können.