Zwei erfolgreiche ÖPP in der Bioabfallverwertung: Erfahrungen aus der Praxis AVR UmweltService GmbH
Abfall Energie 17. Juni 2026

Zwei erfolgreiche ÖPP in der Bioabfallverwertung: Erfahrungen aus der Praxis

Die Zukunft der Bioabfallverwertung liegt vor allem in sauber getrennten Stoffströmen und effizienten Anlagen, die organische Materialien unter Sauerstoffausschluss zu Biogas vergären. Das entstandene Gas wird dann in einem Blockheizkraftwerk verbrannt, wobei es zu klimaschonender Wärme sowie Strom umgewandelt wird. Der Bau solcher Anlagen gelingt jedoch oft nicht allein durch staatliche Förderung oder Mittel aus dem kommunalen Haushalt – wie das Beispiel der kürzlich eingeweihten Bioabfallvergärungsanlage in Leonberg zeigt. Wenn öffentliche Mittel nicht ausreichen, können Unternehmen der Umweltwirtschaft Kommunen als private Partner unterstützen. Zwei Projekte mit REMONDIS verdeutlichen, wie diese Kooperationen in der Praxis funktionieren.

AVR Sinsheim: Der Neubau als Gemeinschaftsprojekt

Als der Rhein-Neckar-Kreis den Beschluss fasste, eine eigene Bioabfallvergärungsanlage zu errichten, entschied der Kreis bewusst, einen privaten Partner einzubinden, der finanzielle und fachliche Unterstützung mitbringt. Bei einer europaweiten Ausschreibung setzte sich schließlich REMONDIS durch, woraufhin die ÖPP in Form der AVR BioTerra GmbH & Co. KG gegründet wurde. REMONDIS hält hier 49 Prozent der Anteile, der Rhein-Neckar-Kreis behält mit 51 Prozent die Kontrolle und profitiert zugleich vom Know-how seines Partners.

Die Anlage wurde von REMONDIS als Generalübernehmer zu einem fest vereinbarten Preis errichtet und nahm im September 2019 den Betrieb auf. Die moderne Bioabfallvergärungsanlage mit Biomethaneinspeisung hat eine Input-Kapazität von rund 68.000 Tonnen Bioabfällen pro Jahr und erzeugt im gleichen Zeitraum rund 40 Millionen kWh Gas – ausreichend Energie für 2.700 Haushalte. Landrat Stefan Dallinger bezeichnet die neue Anlage als „wichtigen Beitrag zur regionalen “.

RMB Frankfurt am Main: ÖPP als gewachsene Partnerschaft

Die Frankfurter Entsorgungs- und Service GmbH (FES) zeigt, dass eine ÖPP in der auch über Jahrzehnte hinweg tragfähig ist. Bereits im Jahr 1998 schlossen die Stadt Frankfurt am Main und REMONDIS eine Partnerschaft, die im Laufe der Jahre nicht nur die Entsorgungslogistik der Stadt stabilisiert hat, sondern sich auch wirtschaftlich als erfolgreich erwiesen hat: Im Schnitt fließen jährlich rund acht Millionen Euro aus Gewinnen der FES an die Stadt zurück und halten damit die Abfallgebühren stabil.

Aus dieser Partnerschaft ist die RMB Rhein-Main Biokompost GmbH hervorgegangen, die mit ihrer Bioabfallbehandlungsanlage jährlich durchschnittlich 118.000 Tonnen Abfälle verarbeitet und dadurch rund 4,5 Millionen Kubikmeter sowie 16.000 Tonnen gewinnt. Auch wenn sich die politischen Verhältnisse im Frankfurter Stadtrat immer wieder verschieben: Die ÖPP hat Bestand und wurde um weitere 20 Jahre verlängert – ein klares Bekenntnis aller Beteiligten zur Tragfähigkeit des Modells.

Weniger Risiko, stabile Gebühren: Was eine ÖPP leisten kann

Beide Projekte zeigen: Eine Öffentlich-Private Partnerschaft in der Bioabfallverwertung ist ein bewährtes und tragfähiges Modell. Die Kommune behält die Mehrheit und damit die Kontrolle, während der private Partner Kapital, Technik und Betriebserfahrung bereitstellt. Sinsheim und Frankfurt belegen darüber hinaus, dass die Zusammenarbeit in unterschiedlichen Konstellationen funktioniert – sowohl in der Großstadt als auch im Landkreis. Gleichzeitig minimiert eine ÖPP Risiken und sorgt für stabile Gebühren.

Autor
Über die Redaktion

Die Redaktion von Klimaschutz Kommune veröffentlicht Fachbeiträge, Analysen und Hintergrundartikel zur kommunalen Daseinsvorsorge, Kreislaufwirtschaft und Öffentlich-Privaten Partnerschaften.

Veröffentlicht am (aktualisiert am: )
Artikel teilen
Außengeländer der IFAT 2024
Abfall Digitalisierung Energie 04. Juni 2024

Highlights für Kommunen auf der IFAT 2024 – ein Rückblick

Highlights für Kommunen auf der IFAT 2024 – ein Rückblick - Lesen München
Klimaschutz Kommune - Moderne Abfallwirtschaft braucht kreative Lösungen
Abfall 01. Sep. 2021

Moderne Abfallwirtschaft braucht kreative Lösungen

Moderne Abfallwirtschaft braucht kreative Lösungen - Lesen Frankfurt am Main