Die Landeshauptstadt Sachsen-Anhalts blickt auf eine bewegte Vergangenheit zurück: Im Mittelalter entwickelte sie sich zu einem der Hochzentren des Heiligen Römischen Reiches. Sie trotzte bereits mehreren Katastrophen, wie etwa einem Feuer im Jahr 1207, ihrer vollständigen Zerstörung 1631 sowie den massiven Schäden im Zweiten Weltkrieg. Diese Erfahrungen mit Wiederaufbau und Neuanfang prägen die Stadt bis heute – auch mit Blick auf den Klimawandel.
Die im Zentrum Sachsen-Anhalts gelegene Landeshauptstadt Magdeburg möchte bis 2035 klimaneutral werden. Der Stadtrat hat dies im Jahr 2019 beschlossen. Seitdem setzt Magdeburg zahlreiche Maßnahmen um, bei denen die rund 244.000 Einwohnerinnen und Einwohner aktiv mitgestalten. Um zu verstehen, wie die Stadt und ihre Menschen dem Klimawandel begegnen, lohnt sich ein Blick auf Magdeburg selbst: Über viele Jahre hinweg haben Handel, Maschinen- und Anlagenbau sowie der Gesundheits-, Kultur- und Kreativsektor die wirtschaftliche Landschaft geprägt. Seit 2010 begleitet die Imagekampagne „Ottostadt Magdeburg” die Stadt. In dieser Kampagne rücken die beiden wichtigsten „Ottos” der Stadtgeschichte in den Fokus: Kaiser Otto I. sowie der frühere Bürgermeister Otto von Guericke, der im 17. Jahrhundert als Politiker und Erfinder wirkte. Diese Geschichte und Identität bilden den Rahmen, in dem Magdeburg heute seinen Weg zur Klimaneutralität gestaltet.
Energiewende und Mobilität: Magdeburgs Weg zur klimaneutralen Stadt
Die Landeshauptstadt Sachsen-Anhalts gehört seit 2016 zu den sogenannten Masterplan-Kommunen der vom Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit geförderten „Nationalen Klimaschutzinitiative“. Magdeburg verpflichtet sich dazu, Maßnahmen in die Wege zu leiten und umzusetzen, um die Treibhausgasemissionen bis zum Jahr 2050 um 95 Prozent im Vergleich zu 1990 zu senken. Die Stadt geht jedoch noch einen Schritt weiter und hat sich mit dem Jahr 2035 ein wesentlich näher gelegenes Ziel gesteckt. Der Ausbau erneuerbarer Energieerzeuger wie Solar-, Biogas- und Windenergie sowie die Steigerung der Energieeffizienz durch ein gut ausgebautes Fernwärmenetz haben höchste Priorität. Zu den Vorhaben gehören Pilotprojekte wie die Nutzung überschüssiger Wärme zur Kälteerzeugung im gewerblichen Bereich, zum Beispiel für Kühltruhen in Supermärkten oder Klimaanlagen.
Neben Energieeffizienz und kommunaler Wärmeplanung, die einen sehr umfangreichen Teil des Magdeburger Klimaschutzkonzepts ausmachen, nimmt gerade Mobilität eine wichtige Rolle ein, mit der die Stadt ihre CO2-Bilanz aktiv verbessern möchte. Im Zentrum steht der Verkehrsentwicklungsplan 2030 plus, mit dem die Landeshauptstadt darauf abzielt, den motorisierten Individualverkehr zu reduzieren und gleichzeitig den Umweltverbund gezielt zu stärken. Zudem soll der Individualverkehr per Fahrrad attraktiver werden: Mit der aktuell erarbeiteten Radverkehrskonzeption verfolgt die Stadt einen langfristig angelegten, strategischen Ansatz zur Förderung nachhaltiger Mobilität. Durch den systematischen Ausbau der Radinfrastruktur, die Verbesserung der Verkehrssicherheit sowie die stärkere Integration des Radverkehrs in das Gesamtverkehrssystem sollen sowohl ökologische als auch stadtplanerische Ziele erreicht werden. Besonders hervorzuheben ist hierbei der partizipative Charakter des Prozesses, der die Perspektiven der Stadtgesellschaft einbezieht und damit die Akzeptanz sowie die Wirksamkeit der Maßnahmen nachhaltig stärkt. Sichere und ausgebaute Radwege, mehr Abstellanlagen und Barrierefreiheit im Stadtverkehr untermauern dieses Vorhaben.
Auch der öffentliche Personennahverkehr profitiert von den Klimaschutz-Maßnahmen: Mehr Zugänglichkeit und weniger Barrieren sollen die Bürgerinnen und Bürger sowie Touristen dazu bewegen, das eigene Fahrzeug stehen zu lassen und eher auf Straßenbahn und Bus umzusteigen.
Klimaschutz in Magdeburg: Stadtgrün und Bauprojekte im Fokus
Im Sommer wird die Hitze in den Stadtvierteln für Mensch und Natur besonders spürbar. Bäume und Grünflächen sind hier eine wirksame Gegenmaßnahme und bringen Linderung. Um das Stadtgrün in Magdeburg zu fördern und somit auch die Temperatur im Innenstadtbereich zu regulieren, setzt die Stadt auf Baumpflanzungen.
Die 1995 von der Stadt ins Leben gerufene Aktion „Mein Baum für Magdeburg“ richtete sich ursprünglich an neu zugezogene Bürgerinnen und Bürger, die mit einer Spende einen entsprechenden Baum innerhalb des Stadtgebiets pflanzen konnten. Inzwischen steht die Aktion allen offen. In den vergangenen Jahren sammelten die Magdeburgerinnen und Magdeburger fast eine Million Euro, mit denen rund 3.000 Bäume gepflanzt wurden, um die Stadt weiter zu begrünen. So will die Stadt kompakte grüne Strukturen innerhalb des städtischen Gebiets etablieren, die nachhaltig zur Klimaanpassung beitragen. Hinzu kommt das von Bürgerinnen und Bürgern initiierte Projekt „Otto pflanzt“, das sich zum Ziel gesetzt hat, im Magdeburger Stadtgebiet 242.000 neue Bäume und Sträucher zu pflanzen. Damit will sich der gemeinnützige Verein für mehr Biodiversität und Umweltbildung sowie zur Verbesserung des Stadtklimas einsetzen.
Ein zentrales Leitbild des Integrierten Stadtentwicklungskonzeptes Magdeburg 2030+ ist die klare Orientierung an der Innenentwicklung. Dahinter steckt die Idee, vorhandene Flächen innerhalb der Stadt besser zu nutzen, bevor neue Gebiete am Stadtrand erschlossen werden. Konkret bedeutet das: bestehende Quartiere werden weiterentwickelt, brachliegende Flächen wiederbelebt und punktuell nachverdichtet. So entsteht nach und nach eine kompakte, ressourcenschonende und gleichzeitig lebenswerte Stadtstruktur. Ein wichtiger Aspekt dabei ist auch der Schutz von freien und unversiegelten Grünflächen, die so erhalten bleiben und einen spürbaren Beitrag zur Klimaresilienz leisten. Damit geht nicht nur eine effizientere Nutzung vorhandener Infrastrukturen einher, sondern auch ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz und zur Klimaanpassung.
Bürgerbeteiligung, nachhaltige Mobilität und Sharing Economy
Die Landeshauptstadt Magdeburg bezieht Klimaschutz und Klimaanpassungsmaßnahmen stets gemeinsam in sämtliche Überlegungen und Strategien ein. Insbesondere werden Projekte und Veranstaltungen gefördert, bei denen sich die Einwohnerinnen und Einwohner der Stadt engagieren oder die sie sogar selbst initiiert haben. Beim Radaktionstag der Stadt Magdeburg, dem Höhepunkt des Magdeburger Mobilitätsmonats, präsentierten Bürgerinnen und Bürger, Gewerbe, städtische Betriebe, Vereine und viele mehr Aktivitäten und Informationsangebote rund um die Themen Mobilität und Fahrrad. Unter dem Motto „Otto sattelt um“ hatten Interessierte die Möglichkeit, an verschiedenen Ständen die neuesten Fahrradmodelle auszuprobieren: Vom E-Rad, Dreirad für Erwachsene bis zum Lastenrad war alles dabei. Im Rahmen einer offenen Bürgerbeteiligung konnten sie sich außerdem über neue Vorhaben und Konzepte der städtischen Verkehrsplanung austauschen und ihre Gedanken, Wünsche und Anregungen einbringen.
Auch in anderen Bereichen geht die Stadt ihren Weg gemeinsam mit den Menschen, die hier leben: Beim Klimadialog gibt es ein offenes Gesprächsformat, in dem Schwierigkeiten, Probleme, Chancen und Neuigkeiten rund um Klimawandel, Klimaschutz und Nachhaltigkeit mit allen Interessierten besprochen werden. Ergänzend dazu nutzt die Stadt weitere Instrumente, um das Engagement der Bürgerinnen und Bürger sichtbar zu machen und zu unterstützen. Ein gutes Beispiel dafür ist der Magdeburger Umweltpreis: Er zeichnet innovative Projekte und Initiativen im Bereich Umwelt- und Klimaschutz aus und würdigt so das bürgerschaftliche Engagement öffentlich. Im Jahr 2023 wurde hier beispielsweise das Projekt „Magdeburg gießt“ für sein Umweltschutz-Engagement in der Kategorie Initiative mit dem 3. Platz ausgezeichnet. Darüber hinaus fördert die Stadt auch andere Projekte, bei denen das Teilen im Mittelpunkt steht – also im Bereich der Sharing Economy. Ehrenamtliche helfen zum Beispiel in einem Repair Café, und ein Umsonstladen bietet seit 2011 Gegenstände des täglichen Bedarfs kostenlos an. Seit 2014 trägt Magdeburg den Titel „Fair Trade Town“. Diese Auszeichnung vergibt der Verein TransFair jedes Jahr an Städte und Gemeinden, die den Verkauf fair gehandelter Produkte besonders fördern und solche Produkte auch in öffentlichen Einrichtungen wie Schulen und Vereinen verwenden.