Label für Ökodesign mit QR Code Scan blacksalomon@adobeStock
Abfall 14. November 2023

Was bedeutet Ökodesign?

Ein Produkt von Anfang an so zu gestalten, dass es wenig bis geringe Umweltbelastungen verursacht: Das ist . Nehmen wir das Beispiel Schuhe. Schuhe sind eine großartige Erfindung. Sie geben unseren Füßen Schutz und sehen auch noch gut aus. Eine robuste Sohle aus Gummi oder Kunststoff sorgt für einen festen Tritt und die nötige Dämmung von unten. Leder, Textilien oder synthetische Materialien bilden eine feste Hülle und geben Halt. Doch unter ökologischen Gesichtspunkten betrachtet sind die meisten auf dem Markt erhältlichen Schuhe alles andere als großartig. 

Das geht bei deren Produktion los: Um all die Stoffe herzustellen, aus denen Sneaker & Co. bestehen, braucht es Rohstoffe wie Erdöl und eine Menge Energie für den Transport in Industrieländer wie Deutschland. Es geht beim Tragen weiter: Mit jedem Schritt reibt die Kunststoffsohle am Boden und verliert kleinste Plastikpartikel. Diese verschmutzen die Umwelt nachhaltig. Und es endet bei der Entsorgung: Schuhe, die zu kaputt zum Tragen sind, landen im . Sie können kaum bis gar nicht recycelt werden, da die vielen unterschiedlichen Materialien nur schwer voneinander trennbar sind.

EU-Ökodesign-Richtlinie schafft Rechtsrahmen

Schuhe sind nur eines von unzähligen Produkten, die dem Prinzip von Ökodesign in der Regel nicht entsprechen und damit tagtäglich eine Menge Abfall verursachen. Das muss nicht sein, wenn man bereits bei der Planung eines Produktes dessen gesamten Lebenszyklus ­– d. h. von der Verarbeitung des Rohmaterials bis hin zur Entsorgung – in den Blick nimmt. Laut BUND ließen sich so 80 % der Umweltauswirkungen eines Produktes bestimmen. In der Designphase können Hersteller beeinflussen, welche Rohstoffe verwendet werden, wie viel Energie ein Produkt verbraucht oder spart und ob es reparierbar oder recyclingfähig ist. 

Den Rahmen für die Ausgestaltung einheitlicher und verbindlicher Mindestanforderungen bildet seit 2024 die neue EU-Verordnung für das Ökodesign nachhaltiger Produkte (ESPR). Sie löste die seit 2005 geltende EU-Ökodesign-Richtlinie ab, in der Standards für Produktgruppen festgelegt waren, die hinsichtlich Energie- und Wasserverbrauch relevant sind (z. B. Fernseher, Kühlschränke und externe Netzteile sowie Wasserhähne und Duschköpfe). Gekennzeichnet sind diese Produkte mit dem bekannten Energielabel, das mittels farbiger Balken die Klassen A (hohe Effizienz) bis G (niedrige Effizienz) anzeigt. Verbraucherinnen und Verbraucher sehen hier sofort, ob ein Gerät energiesparend und umweltschonend ist.

Digitaler Produktpass gibt Infos zu Nachhaltigkeit

Mit der neuen Verordnung ESPR wurde der Anwendungsbereich deutlich erweitert. So soll künftig für fast alle Produktarten, die auf dem europäischen Markt vertrieben werden, Mindestanforderungen an deren ökologische bestehen. Waren sollen nicht nur effizienter hinsichtlich Energieverbrauch und Ressourcennutzung sein. Sie sollen auch unter den Gesichtspunkten Haltbarkeit, Zuverlässigkeit, Wiederverwendbarkeit, Nachrüstbarkeit und Reparierbarkeit verbessert werden. Außerdem müssen sie gemäß der neuen Ökodesign-Verordnung einfacher zu recyceln und zu warten sein.

Um Verbraucherinnen und Verbraucher sowie Unternehmen bei der Entscheidung für oder gegen ein Produkt besser zu unterstützen und Behörden bei der Prüfung und Kontrolle zu helfen, soll ab 2027 auch ein „digitaler Produktpass“ eingeführt werden – zunächst für bestimmte Batterien, Textilien sowie Eisen- und Stahlprodukte und perspektivisch für nahezu alle Waren. Er enthält Informationen über die ökologische Nachhaltigkeit eines Produktes. Mit der neuen Verordnung soll es zudem verboten werden, unverkaufte Ware, wie billig produzierte Schuhe und Kleidung, einfach zu vernichten. Auch soll sich die Vergabe öffentlicher Aufträge künftig mehr an ökologischen Kriterien ausrichten.

Ecodesign-Preis macht nachhaltige Alternativen sichtbar

Produkte umweltfreundlicher machen – das ist ein wichtiges Anliegen unserer Zeit. Um die nachhaltige Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft voranzutreiben, lobt das Bundesumweltministerium und Umweltbundesamt zusammen mit dem Internationalen Design Zentrum Berlin seit 2012 alljährlich den Bundespreis Ecodesign aus. Dabei folgt die Initiative dem Zitat des Künstlers Joseph Beuys: „Die Zukunft, die wir wollen, muss erfunden werden. Sonst bekommen wir eine, die wir nicht wollen“, und macht Innovationen für ökologische Alternativen sichtbar.

Eine davon ist, Kunststoffe auf Basis von Lebensmittelabfällen wie Bananen- und Nussschalen herzustellen. Für diese Alternative zu herkömmlichen elastischen Kunststoffen war das Unternehmen KUORI für den Ecodesign-Preis 2023 in der Kategorie „Konzept“ nominiert. Mittlerweile hat das Schweizer Start-up einige Produkte auf den Markt gebracht, u. a. Schuhsohlen auf Basis von biologisch abbaubarem Kunststoff. Deren Abrieb hinterlässt kein schädliches und lässt uns auf umweltfreundliche Weise durch die Welt gehen.

PET Falschen mit Abfall aus Plastik
Allgemein 20. Juni 2025

Kreislaufwirtschaft: Aufschwung eines Wirtschaftssektors

Kreislaufwirtschaft: Aufschwung eines Wirtschaftssektors - Lesen Bundesweit
Kleiderstapel mit Recycling-Tafel
Abfall 05. Aug. 2024

Ökodesign-Verordnung: Neue Vorschriften für nachhaltige Produkte

Ökodesign-Verordnung: Neue Vorschriften für nachhaltige Produkte - Lesen Bundesweit
Kleiderstange mit bunter Secondhand-Mode im Secondhand-Shop
Abfall 14. Feb. 2024

Wie nachhaltig ist Secondhand Kleidung?

Wie nachhaltig ist Secondhand Kleidung? - Lesen Bundesweit