Mit Urban Mining können Rohstoffe für nachhaltige Smartphones gewonnen werden OMGSnap@AdobeStock
Abfall 1. März 2023

Urban Mining für nachhaltige Smartphones

Wertvolle Edelmetalle finden sich nicht nur in der Schmuckschatulle. Auch in alten Smartphones, die in Schubladen schlummern, sind mitunter Gold, Palladium und Platin enthalten. Laut einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) reichten die darin enthaltenen Materialien aus, um den Rohstoffbedarf für die Produktion aller neuen Handys für die nächsten zehn Jahre zu decken. Insgesamt lagerten nach Angaben des Digitalverbands Bitkom im Jahr 2022 rund 210 Millionen ausrangierte Mobiltelefone in deutschen Haushalten.

Was ist Urban Mining?

Dieses sogenannte anthropogene Lager als Rohstoffquelle zu nutzen und zu bewirtschaften, ist der Grundgedanke des Konzepts „“. Es schließt sowohl genutzte als auch ungenutzte Güter mit ein. Dabei ist es egal, ob diese noch aktiv genutzt werden, sie das Ende ihrer Nutzungsdauer erreicht haben oder erst in absehbarer Zukunft zum Einsatz kommen. Darunter fallen Konsumgüter wie Autos und Elektrogeräte, aber auch Gebäude und Infrastrukturen.

Im Unterschied zur Abfallwirtschaft beschäftigt sich Urban Mining nicht mit dem Abfallaufkommen an sich und der bestmöglichen Rückführung in den Materialkreislauf. Es betrachtet anthropogene, also menschengemachte Erzeugnisse in ihrer Gesamtheit. Dies schließt die Rohstoffgewinnung und Entsorgung bzw. Wiederverwertung mit ein. Auf diese Weise können, noch bevor Abfälle anfallen, bestmögliche Verwertungswege abgeleitet werden.

Vor dem Hintergrund der zunehmenden Weltbevölkerung und dem wachsenden internationalen Bedarf an knappen Rohstoffen kann Urban Mining einen wichtigen Beitrag für die Kreislaufwirtschaft leisten. Schließlich trägt die Nutzung von Sekundärrohstoffen aus alten Elektrogeräten dazu bei, natürliche Ressourcen zu schonen und einen effizienteren Umgang mit diesen zu schaffen.

Zugleich unterstützt Urban Mining die Reduktion der steigenden Abfallmengen: Materialien werden länger genutzt und nicht verwendete Produkte wieder in den Kreislauf zurückgeführt. Nicht zuletzt profitiert auch die deutsche Wirtschaft, denn durch Urban Mining sinkt die Abhängigkeit von Rohstoffimporten aus Primärförderländern.

Recycling von Elektroschrott noch ausbaufähig

Der Ansatz klingt zwar vielversprechend, die Realität sieht allerdings noch anders aus. Die große Zahl der ungenutzten Geräte zeigt: Nicht alle alten Smartphones werden dem zugeführt. Die Recyclingquote von in Deutschland lag im Jahr 2022 bei 85,5 Prozent (der EU-Schnitt betrug zu diesem Zeitpunkt 80,7 %). Davon fielen aber lediglich 28 Prozent in die Kategorie der Kleingeräte – dazu zählen neben Handys auch Staubsauger oder Toaster.

Konsumenten haben viele Möglichkeiten, ihre ausrangierten Mobiltelefone dem Recycling zur Verfügung zu stellen: Zum einen können sie diese kostenfrei bei kommunalen Sammelstellen wie Wertstoffhöfen oder Schadstoffmobilen abgeben. Seit 2022 müssen auch größere Supermärkte und Discounter ab einer Fläche von 800 Quadratmetern kleinere Elektroaltgeräte zurücknehmen. Zusätzlich sind Hersteller sowie Online-Händler zur Rücknahme von alten Geräten verpflichtet – ohne Neukauf. Dies schreibt das neue Elektrogesetz (ElektroG4) seit 2026 vor.

Recycling ist zwar ein wichtiger Bestandteil der , im Sinne der Abfallhierarchie hat jedoch die Abfallvermeidung eine höhere Priorität. Beispielsweise kann bereits bei der Produktentwicklung darauf abgezielt werden, dass möglichst wenig Abfälle entstehen. Zudem ist eine Wiederverwendung von noch funktionierenden Geräten immer effizienter als eine stoffliche Verwertung: Der Verkauf oder die Reparatur sollten deshalb stets die erste Wahl sein.

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