Münster ist in vielerlei Hinsicht eine lebenswerte Stadt. Das belegt nicht zuletzt das Städteranking des SKL Glücksatlas, in dem die Kommune auch 2025 erneut zu einer der glücklichsten Großstädte Deutschlands mit über 200.000 Einwohnern gekürt wurde. Jung, studentisch geprägt und wohlhabend: Dieser Mix macht Münster besonders anziehend. Hinzu kommen die vielen Initiativen, die darauf abzielen, die Stadt nachhaltig und klimaneutral auszurichten. Das wird in Münster von der Zivilgesellschaft ebenso mitgetragen wie von lokal ansässigen Unternehmen, Bildungseinrichtungen sowie Vereinen und Verbänden.
Besucher von Münster sollten das Auto schnell gegen ein anderes Fortbewegungsmittel tauschen, denn seit jeher gilt das Fahrrad hier als Hauptverkehrsmittel. Münster selbst wird laut ADFC-Fahrradklima-Test als fahrradfreundlichste Stadt Deutschlands bewertet – statistisch besitzt jede Einwohnerin und jeder Einwohner der Stadt etwa zwei Drahtesel. Das kommt nicht von ungefähr: Gelegen in der Westfälischen Tieflandsbucht, gibt es in Münster kaum Steigungen. Die 4,5 Kilometer lange „Promenade“ – ein autofreier Rundweg auf den Fundamenten der ehemaligen Stadtmauer – lädt Radfahrende ein, bequem die Innenstadt zu umrunden. Von dort aus lässt sich nahezu jeder Punkt der Stadt in weniger als fünf Kilometern erreichen – meist auf grünen, naturnahen Wegen.
Mit vielen Parkanlagen und Alleen, dem Aasee sowie einem hohen Anteil an Einfamilienhäusern, Villen und zwei- bis dreistöckigen Mietshäusern bietet die Stadt rund 300.000 Bürgerinnen und Bürgern ein lebenswertes Umfeld. Dieses wird zusätzlich bereichert durch ein vielfältiges kulturelles Angebot an Theatern, Museen und Veranstaltungen, beispielsweise in der historischen Altstadt, die neben zahlreichen Bars, Restaurants und einem regelmäßigen Markttreiben zum Flanieren einlädt. Als eine der zehn größten Universitätsstädte Deutschlands beherbergt Münster auch etwa 55.000 Studierende, die die weltoffene und klimabewusste Atmosphäre der Stadt zu schätzen wissen.
Münster auf dem Weg zur Klimaneutralität
Seit 1995 setzt sich die Stadt in NRW für den Klimaschutz ein und erhält dabei starke Unterstützung aus der Stadtgesellschaft. Mit der Erarbeitung eines ersten Klimaanpassungskonzepts im Jahr 2015 nahm die Arbeit der Stadt auch in diesem Bereich Fahrt auf. Mit dem Beginn der Fridays-for-Future-Bewegung 2019 verstärkte sich die Klimaarbeit nochmals. Zahlreiche Auszeichnungen wie der European Energy Award (EEA), der Deutsche Nachhaltigkeitspreis, die EU-Auszeichnung „100 Climate-Neutral and Smart Cities by 2030“ sowie jüngst der European Climate Adaptation Award (eca) belegen seither das Engagement aller beteiligten Akteure in puncto Klimaschutz und -anpassung und machen Münster zu einer der Vorreiterstädte in Deutschland.
Die Stadt will klimaneutral werden – und das bis 2030. Mit diesem ambitionierten Ziel vor Augen hat Münster 2023 die Entwicklung eines Klimastadt-Vertrags ausgerufen. Die Botschaft dabei lautet: „Münster wird Klimastadt – weil es uns alle braucht.“ Damit bringt der Stadtkonzern, bestehend aus Stadtverwaltung und Tochtergesellschaften wie etwa den Stadtwerken Münster GmbH oder der Wirtschaftsförderung Münster GmbH, zum Ausdruck, dass Klimaneutralität nur als Gemeinschaftsaufgabe erreicht werden kann. Der Klimastadt-Vertrag bündelt die Anstrengungen der in der Stadt ansässigen Unternehmen, des Stadtkonzerns, von Privatpersonen, Initiativen, Vereinen und Verbänden – wie den „KlimaTrainer*innen der Stadt Münster“ oder der Nachbarschaftsinitiative „Platanenpower“ – und fordert alle Akteurinnen und Akteure in einer öffentlichen Selbstverpflichtung dazu auf, ihren eigenen Handlungsspielraum zu reflektieren und zu nutzen.
Zentrale Projekte: kommunale Wärmeplanung und Stadtklimaanalyse
Der Stadtkonzern geht mit gutem Beispiel voran, indem er Klimaschutz als zentrales Querschnittsthema etabliert hat. Laufende und geplante Maßnahmen sind in sieben Themenfelder unterteilt, die jeweils von einer Person aus der obersten Ebene des Stadtmanagements verantwortet werden. Die sogenannten „Themenpaten“ kümmern sich um die Umsetzung strategischer Projekte aus den Feldern Energieerzeugung, Bauen und Sanieren, Mobilität, Klimahaushalt, Bildung und Ernährung, Wirtschaft und Wissenschaft sowie Klimaanpassung. Eine der größten Herausforderungen stellt für Münster dabei die kommunale Wärmeplanung dar. Sie ist das Schlüsselprojekt auf dem Weg zur Klimaneutralität. Die damit verbundenen Maßnahmen fokussieren sich unter anderem auf den Ausbau und die Dekarbonisierung der Fernwärme, den Einsatz von Großwärmepumpen sowie Lösungen, mit denen sich ganze Stadtbezirke oder Quartiersviertel aufwerten lassen.
Ein weiteres herausragendes Projekt ist die Stadtklimaanalyse 2025. Diese untersucht die klimatische Situation der Stadt heute und in Zukunft – insbesondere die Hitzebelastung –, um die Auswirkungen des Klimawandels vor Ort besser zu verstehen und die Stadtplanung entsprechend auszurichten. Das soll dazu beitragen, die Lebensqualität in Münster weiter zu verbessern und die Gesundheit der Menschen zu schützen, die an besonders heißen Tagen im Jahr unter der Hitze leiden. Das Stadtklimaportal informiert Bürgerinnen und Bürger über tagesaktuelle Temperaturentwicklungen und zeigt, wie stark einzelne Straßen und Stadtteile von Hitze betroffen sind. Außerdem wird dort abgebildet, welche Grün- und Freiflächen innerhalb des Stadtgebiets für Abkühlung sorgen.
Abfallwirtschaft wichtig für Klimaschutz
Ein wichtiger Faktor für die Umsetzung der Klimaschutzmaßnahmen in Münster sind die Abfallwirtschaftsbetriebe Münster (awm). Als kommunaler Eigenbetrieb arbeitet die awm gemeinwohlorientiert und im Sinne der Kreislaufwirtschaft. Die awm haben 2023 ein neues Abfallwirtschaftskonzept entwickelt, das wesentlich auf die gesamtstädtische Nachhaltigkeitsstrategie und eine ökologische, ökonomische und sozialverträgliche Abfallwirtschaft einzahlt: Unter dem Motto „Es gibt keinen Abfall mehr – nur noch Wertstoffe“ soll Münster in den nächsten Jahren zu einem großen Teil abfallfrei werden.
Mit dem Ziel, dass Münster „abfallfrei“ wird, bemüht sich die awm einerseits um die Vermeidung von Abfällen, andererseits um die sortenreine Trennung und möglichst kreislaufkonforme Verwertung aller anfallenden Abfälle. Auch hier lautet das Motto: „Alle wirken mit.“ So arbeitet der Betrieb zur Umsetzung des Zero-Waste-Vorhabens mit lokalen Partnern wie Unternehmen, Vereinen und Bildungseinrichtungen, aber auch mit engagierten Bürgerinnen und Bürgern aus Münster zusammen. Dass die awm ein „Vorreiter der Transformation“ in der Rohstoffindustrie ist, belegte zuletzt ihre Nominierung für den Deutschen Nachhaltigkeitspreis 2024. Für ihre Kooperation mit dem Münsteraner Start-up Leihothek erhielt die awm 2023 den Nachhaltigkeitsaward der Zeitung für kommunale Wirtschaft (ZfK) in Bronze.
Starke Partner in der Daseinsvorsorge
Mit den Stadtwerken Münster ist die Stadt in den Bereichen Energie, Wasser und ÖPNV gut aufgestellt. Gerade in puncto Wärmewende sorgen die Stadtwerke für eine gelingende Umsetzung der städtischen Pläne für eine klimafreundliche Energieversorgung in Münster. Stakeholder wie die Universität und Fachhochschule, die lokale Industrie- und Handelskammer sowie der ADFC unterstützen die Stadt zudem in ausgewählten Themenfeldern innerhalb der Daseinsvorsorge.
Um die Digitalisierung in Münster voranzubringen, hat sich die Stadt mit über 40 Partnern aus Wirtschaft, Wissenschaft, Verbänden und Zivilgesellschaft zur Allianz Smart City Münster zusammengeschlossen. Als neutrale Kooperationsplattform gestalten die Allianzpartner den digitalen Wandel im Sinne einer integrierten und nachhaltigen Stadtentwicklung, tauschen Wissen und Erfahrungen aus und entwickeln Projekte für die Smart City Münster. In diesem Zusammenhang läuft aktuell auch das Projekt „Urbanes Wasser“, das es der Stadt ermöglichen soll, durch digitale Vernetzung und Datenanalyse den Betrieb und die Wartung der lokalen Kanalisation zu verbessern und so die Planung des Kanalnetzes zu erleichtern.
Über intelligente Sensoren wird seit 2020 auch die Wasserqualität des innerstädtischen Aasees gemessen. Dieser war im Hitzesommer 2018 von einem Rückgang des Sauerstoffgehalts betroffen, in dessen Folge es zu einem großen Fischsterben kam. Über das LoRaWAN-Netz (Long Range Wide Area Network) der Stadtwerke Münster werden die über Messtonnen und Bojen gewonnenen Daten in Echtzeit an die zuständigen Ämter übertragen. Dank dieses Aasee-Monitorings kann die Stadt frühzeitig Maßnahmen ergreifen, um die Wasserqualität zu verbessern. Überdies misst die Stadt Münster in Zusammenarbeit mit einem privaten Unternehmen via Machine-to-Machine-Übertragung (M2M) regelmäßig die Pegelstände an mehreren Bächen. Automatische Alarme an besonders überschwemmungsgefährdeten Punkten ermöglichen so eine schnelle Räumung im Ernstfall.