Warum Leitungswasser nachhaltiger ist Jeriko, AdobeStock
Wasser 14. Dezember 2023

Warum Leitungswasser nachhaltiger ist

Wasser ist die Grundlage allen Lebens auf der Erde. Das gilt natürlich ebenso für den Menschen, der zu knapp zwei Dritteln aus Wasser besteht. Mindestens 1,5 Liter sollten Erwachsene am Tag trinken. Je nach Tätigkeit und Wetterlage benötigen wir auch schon einmal drei- bis viermal so viel. Glücklicherweise ist in Deutschland der Zugang zu Trinkwasser so einfach, wie er nur sein kann: Es kommt direkt aus der Leitung. Dennoch bevorzugen viele Wasser aus der Flasche. Doch warum eigentlich? Gibt es gute Gründe, Flaschenwasser Leitungswasser vorzuziehen oder umgekehrt? Und vor allem: Welche Art von Trinkwasserkonsum ist ökologisch nachhaltiger?

Leitungswasser ist Trinkwasser

Das Wasser in und aus Leitungen in deutschen Haushalten verfügt über eine hohe Qualität (gut bis sehr gut), die regelmäßigen Kontrollen unterliegt. In der Regel kann es also ohne Bedenken getrunken werden. Nicht ohne Grund wird Leitungswasser (mit Ausnahme von Betriebswasser) synonym als Trinkwasser bezeichnet. Das gilt übrigens auch ganz unabhängig davon, ob es hart oder weich (also stark oder gering mineralhaltig) ist. Tatsächlich sind die im Wasser enthaltenen Mineralien Calcium und Magnesium lebenswichtige Nährstoffe, die nur über die Nahrung aufgenommen werden können.

Wann Leitungswasser nicht trinkbar ist

Es ist nicht ausgeschlossen, dass sich bei Wasser, das länger in der Leitung steht, Keime sowie Schadstoffe aus Armaturen ansammeln. Daher wird empfohlen, erst einmal altes Leitungswasser ablaufen zu lassen, wenn der Hahn länger als vier Stunden nicht aufgedreht wurde. Um dieses nicht zu verschwenden, sollte es z. B. zum Pflanzengießen, Putzen oder Geschirrspülen aufgefangen werden.

Auch in Gebäuden, die vor 1973 erbaut wurden, ist Vorsicht geboten, da diese möglicherweise noch Bleileitungen enthalten. Rund 38.000 Haushalte (0,2 Prozent) sind hiervon deutschlandweit betroffen. Im Zweifelsfall gibt eine Untersuchung des Leitungswassers Aufschluss darüber, ob es im Haus durch Bleirohre fließt. Spezielle Filter (Membranfilter, Ionentauscher oder Aktivkohlefilter) können hier kurzfristig Abhilfe leisten, sind aber keine Dauerlösung, da diese (je nach Art des Filters) unter Umständen das Wasser demineralisieren oder (bei unsachgemäßem Gebrauch) schlimmstenfalls das gesammelte Blei auf einmal freisetzen. Langfristig sollten die alten Leitungen deshalb unbedingt ausgetauscht werden.

Naturprodukt Mineralwasser

Auf dem deutschen Markt gibt es mehr als 500 unterschiedliche heimische Mineralwässer. Anders als Leitungswasser, das zu rund 30 Prozent aus aufbereitetem Oberflächenwasser wie Seen, Talsperren oder Flüssen stammen kann, müssen diese gemäß Mineral- und Tafelwasserverordnung zwingend unterirdischen Ursprungs sein und über eine „ursprüngliche“ (d. h., weitgehend natürliche, also unbehandelte) Reinheit verfügen. Der große Vorteil dieser Ursprünglichkeit ist der hohe Anteil an wichtigen Mineralstoffen und Spurenelementen, die das Wasser auf seinem Weg durch die Gesteinsschichten aufgenommen hat.

Mineralwässer unterscheiden sich als Naturprodukte in ihren Inhaltsstoffen, einschließlich ihrem Kohlensäuregehalt. Eine Zugabe von Kohlensäure gehört zu den wenigen Veränderungen, die an ihnen vorgenommen werden dürfen. Die Säure wirkt sich dabei nicht nur geschmacklich aus, sondern führt auch zu einer längeren Haltbarkeit. Zu den Mineralwässern zählen natürliches Mineralwasser, Heilwasser und Quellwasser. Tafelwasser hingegen ist kein Naturprodukt, sondern ein industriell hergestelltes Wasser, das aus verschiedenen Wasservorkommen – neben Mineralwasser sind dies auch Meerwasser, Natursole und Trinkwasser – gewonnen wird.

Trinkwasser vs. Mineralwasser: Vor- und Nachteile

Weil es sich bei Mineralwasser ausschließlich um Quell- oder Brunnenwasser handelt, ist es in der Regel reicher an Nährstoffen als Trinkwasser. Heilwasser sticht hier besonders hervor, da dessen Inhaltsstoffe sogar eine nachweislich heilende Wirkung aufweisen. Durch die natürliche oder zugegebene Kohlensäure verfügt Mineralwasser außerdem zumeist über eine bessere Haltbarkeit (wegen seiner korrosiven Eigenschaften wird CO2 bei der Trinkwasseraufbereitung entfernt).

In Hinblick auf Schadstoffe schlagen sich beide Wasserarten ähnlich gut – Trinkwasser aus Bleileitungen ausgenommen. Ob über natürliche oder künstliche Reinigung: Sowohl Trinkwasser als auch Mineralwasser weisen normalerweise nur äußerst geringe Spuren von Schadstoffen wie Pestizide, Arzneimittel, Arsen oder Nitrat auf. Lediglich die Belastung durch radioaktive Stoffe wie Uran oder Radon ist in Mineralwasser wesentlich höher, aber immer noch unbedenklich. Bei der Abfüllung in Flaschen gelangt zudem Mikroplastik (z. B. über Schmierstoffe in den Verschlüssen) in sehr geringen Mengen in das Mineralwasser.

Rein preislich hat das Trinkwasser klar die Nase vorn. Der Literpreis von Mineralwasser beträgt durchschnittlich etwa das Hundertfache von dem, was man für einen Liter aus der Leitung zahlt. Dabei sind noch nicht einmal die Kosten für den Transport mit einberechnet, die man sich beim Trinkwasser obendrein spart.

Leitungswasser vs. Mineralwasser: Was ist nachhaltiger?

Noch ungleicher als der Preis fällt die Klima- und Umweltbilanz der beiden Wasserarten aus. Hierfür gibt es verschiedene Gründe. Zum einen werden die Flaschen für Mineralwasser unter hohem Energieaufwand und unter Einsatz endlicher Rohstoffe hergestellt. Zu dem kommt des Weiteren der hohe Transportaufwand, der durch das Gewicht der Flaschen übrigens noch höher ausfällt. Tatsächlich sind daher Glasmehrwegflaschen nur bei kurzen Transportwegen klimafreundlicher als Kunststoffflaschen. Unterm Strich kommt ein Liter Flaschenwasser so auf durchschnittlich 202,74 g CO2-Äquivalente – ein 600-mal so hoher Klimafußabdruck wie der von einem Liter Leitungswasser (0,35 g).

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