Verstopfte Kläranlagen, vermüllte Flüsse: Hygieneartikel werden häufig falsch entsorgt und verursachen dann Probleme. Eine ganz brisante Nachricht sorgte 2022 für Aufsehen: eine schwimmende Insel aus etwa 180 Tonnen Feuchttüchern auf einer Fläche von rund zwei Tennisfeldern in der Londoner Themse. Diese „Ekel-Insel“, auch „Wet Wipe Island“ genannt, wurde im Sommer 2025 in einer groß angelegten Aktion von der Hafen- und Wasserstraßenbehörde der britischen Hauptstadt abgetragen.
Auch hierzulande ist die inkorrekte Entsorgung von Abfällen über die Toilette schon lange ein Problem. 2018 zeigte die Saarbrücker Zeitung das Bild von einem riesigen „Zopf“ aus alten Feuchttüchern, der die Kläranlage des Entsorgungsverbandes Saar verstopft hatte. Und das ist kein Einzelfall. Zum Welttoilettentag am 19. November wird daher jedes Jahr aufs Neue darauf hingewiesen, dass es vor allem Feuchttücher, Küchenrolle und Tampons seien, die zu verstopften Abwasserrohren und defekten Pumpen führten. Abwasserverbände wie der DWA Nord fordern gar ein Verbot von Feuchttüchern, wie der Norddeutsche Rundfunk (NDR) berichtet.
Feuchttücher verstopfen Toiletten und Kläranlagen
Feuchttücher und Co. bestehen aus Kunststofffasern und sind damit wasserbeständiger und schwerer biologisch abbaubar als Toilettenpapier, welches sich im Wasser auflöst. Selbst einen Waschgang überleben diese Tücher fast unbeschadet. Aufgrund ihrer außerordentlichen Robustheit – die für den eigentlichen Zweck durchaus sinnvoll ist – sammeln sie sich auf dem Weg zur Kläranlage in Rohren und Pumpen an. Anschließend müssen sie aufwendig herausgefiltert werden.
Ähnliches gilt für Hygieneartikel wie Tampons oder Slipeinlagen, aber auch Zigaretten, Verbandsmaterial und Kosmetikartikel wie Abschminktücher oder Wattestäbchen landen regelmäßig in der Kläranlage und behindern dort den Reinigungsprozess. Küchenabfälle und Essensreste sollten ebenfalls nicht in der Toilette entsorgt werden. Sie gehören in den Rest- und Biomüll, denn sie locken Ungeziefer und Ratten in den Kanälen an und rufen weitere Verstopfungen hervor.
Altmedikamente gehören in die Schadstoffsammelstelle
Medikamente schaden der Umwelt besonders stark, wenn sie über die Toilette entsorgt werden, da sie sich nur schwer bzw. gar nicht aus dem Abwasser filtern lassen. Oft gelangen auf diese Art Schadstoffe in Gewässer und Böden, mit teils kritischen Folgen. So berichtet das Umweltbundesamt über hormonelle Veränderungen bei Fischen, die unterhalb von Kläranlagenabläufen leben. Statt die abgelaufenen Inhalte aus dem Medizinschränkchen ins WC zu geben, sollte man lieber den Weg zur Apotheke oder Schadstoffsammelstelle auf sich nehmen.
Farben, Lacke und Lösungsmittel werden ebenfalls gern einmal über die Toilette entsorgt. Doch auch hierbei handelt es sich um Stoffe, die nichts im Abwasser verloren haben. Sie greifen Bausubstanz und Technik der Kläranlagen an und sind Gift für Mikroorganismen, die zur Wassersäuberung eingesetzt werden.