Luftbild einer modernen Wasserreinigungsanlage in einer städtischen Kläranlage. bilanol@EnvatoElements
Wasser 16. Februar 2026

Wie hilft Wasserrecycling uns und der Umwelt?

Auch in Zukunft ist es wichtig, dass Wasser für alle zuverlässig verfügbar bleibt. Wasserrecycling macht es möglich, Abwasser nicht einfach zu entsorgen, sondern wiederzuverwenden. So entsteht eine wertvolle Ressource, die Industrie, Landwirtschaft und Kommunen hilft, Trinkwasser zu sparen und unsere Gewässer zu entlasten.

Wasser wird in unserem Alltag meist nur einmal genutzt. Danach fließt es in den Abfluss, wird im Klärwerk gereinigt und in Flüsse eingeleitet. Dieses Vorgehen war lange Zeit selbstverständlich. Angesichts des Klimawandels und steigender Wasserbedarfe wird jedoch immer deutlicher, dass der aktuelle Umgang mit Wasser langfristig nicht tragfähig ist. An dieser Stelle setzt an. Gemeint ist, dass gezielt aufbereitet und wieder genutzt wird, auch als Wasserwiederverwendung oder „Water Reuse“ bekannt. Dabei wird Abwasser nicht mehr als einheitliche Masse betrachtet, sondern nach seiner Herkunft unterschieden. Das ermöglicht eine passgenaue Aufbereitung und Nutzung. Ein Beispiel hierfür ist sogenanntes Grauwasser, das beim Duschen oder Waschen entsteht. Es ist verhältnismäßig wenig belastet und lässt sich einfach wiederverwenden, zum Beispiel, um Grünflächen zu bewässern oder für Reinigungszwecke. Andere Abwasserarten enthalten wiederum Inhaltsstoffe, aus denen Dünger hergestellt werden kann; so wird aus Abwasser ein wertvoller Rohstoff.

Wie Wasserrecycling in Deutschland aktuell genutzt wird

In Deutschland kommt aufbereitetes Wasser bereits heute in verschiedenen Bereichen zum Einsatz. Vor allem in der Papierindustrie, in Kraftwerken oder in der Chemie- und Lebensmittelindustrie gibt es interne Kreisläufe, in denen Wasser zwischengespeichert, gereinigt und als Kühl-, Reinigungs- oder Prozesswasser wiedergenutzt wird. Große Unternehmen wie BASF und Siemens setzen solche Systeme bereits erfolgreich ein.

In der Landwirtschaft spielt Wasserrecycling bislang eine untergeordnete Rolle, jedoch wächst das Interesse an neuen Lösungen. So untersucht beispielsweise die TU Braunschweig, unter welchen Bedingungen aufbereitetes Abwasser nach zusätzlichen Reinigungsstufen für die Bewässerung oder zur Grundwasseranreicherung verwendet werden kann. Für den Erfolg solcher Projekte ist neben der nötigen Technik vor allem Transparenz grundlegend. Vertrauen entsteht nur, wenn nachvollziehbar ist, wofür das Wasser genutzt wird und welche Sicherheitsstandards gelten. Die seit 2023 geltende EU-Verordnung zur Wasserwiederverwendung („Water Reuse Act“) bietet dafür einen verbindlichen Rahmen. Sie legt fest, welche Anforderungen recyceltes Wasser vor allem beim Obst- und Gemüseanbau erfüllen muss. Dass eine solche Nutzung grundsätzlich machbar ist, zeigt der Blick nach Südeuropa: Dort ist Wasserrecycling in der Landwirtschaft aufgrund anhaltender Wasserknappheit seit Jahren gängige Praxis.

Kommunales Wasserrecycling: Entlastung und Zukunftsvorsorge

Für deutsche Kommunen ist Wasserwiederverwendung vor allem eine Möglichkeit, die Trinkwasserversorgung zu entlasten, denn längere Trockenperioden stellen Städte und Gemeinden auch hierzulande zunehmend vor Herausforderungen. Statt Abwasser nur zu klären und in Gewässer zurückzuführen, wird es deshalb verstärkt für die Straßenreinigung, die Bewässerung öffentlicher Parkanlagen oder für technische Zwecke wie etwa Prozesswasser in kommunalen oder industriellen Anlagen genutzt. Parallel dazu werden in Pilotprojekten weitere Einsatzmöglichkeiten erprobt. In einem Wohngebiet in Hamburg testet der regionale Versorger HAMBURG WASSER zum Beispiel derzeit ein System, das mit Hilfe digitaler Lösungen Regen- und Grauwasser für Toilettenspülungen und zur Bewässerung von Grünflächen aufbereitet.

Zunehmend wird Abwasser auch als lokale, klimafreundliche Energiequelle genutzt: Nach der Verwendung im Haushalt enthält es mit Temperaturen von etwa 10 bis 20 Grad Celsius noch beträchtliche Wärme. Diese kann mithilfe von Wärmetauschern und Wärmepumpen zurückgewonnen und zur Beheizung von Gebäuden oder ganzen Wohnkomplexen eingesetzt werden. Entsprechende Projekte gibt es unter anderem in Köln, im Ruhrgebiet, in Stuttgart und in Berlin.

Die direkte Wiederaufbereitung von Abwasser zu Trinkwasser ist in Deutschland bislang kaum verbreitet. Andere Länder zeigen jedoch, dass eine solche Wiederverwendung unter bestimmten Bedingungen möglich ist. In wasserarmen Regionen wie Namibia sowie in Teilen von Kalifornien und Australien wird Abwasser nach strengen, mehrstufigen Reinigungsprozessen bereits zur Trinkwasserversorgung genutzt.

Eine besondere Herausforderung stellen dabei PFAS (per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen), sogenannte „Ewigkeitschemikalien“ dar. Diese Stoffe reichern sich in Umwelt und Organismen an und werden zunehmend auch in deutschen Trinkwasserproben nachgewiesen. Für PFAS gelten ab 2026 beziehungsweise 2028 verschärfte EU-Grenzwerte. Deren Einhaltung ist technisch möglich, jedoch mit erheblichem Aufwand verbunden.

In Singapur beispielsweise wird kommunales Abwasser vom staatlichen Wasserversorger so umfassend aufbereitet, dass hochreines Wasser entsteht, das wieder ins Trinkwassernetz eingespeist wird. Transparenz spielt hierbei eine große Rolle: Bürgerinnen und Bürger können die Anlagen besichtigen, technische Abläufe werden in Aufklärungskampagnen erläutert. Auch die positive Bezeichnung des Wassers als „NEWater“ trägt zur Akzeptanz bei. Inzwischen deckt Singapur rund ein Drittel seines Wasserbedarfs durch aufbereitetes Abwasser.

Deutschland ist ein wasserreiches Land. Dennoch ist auch hierzulande ein bewussterer Umgang mit Wasser notwendig, schließlich ist unser Wasserfußabdruck weltweit einer der höchsten: Pro Kopf verbrauchen wir täglich rund 120 bis 130 Liter Wasser direkt aus dem Hahn zum Trinken, Kochen und Waschen. Für die indirekte Nutzung durch die Herstellung von Lebensmitteln, Bekleidung und anderen Bedarfsgütern wird hingegen so viel Wasser eingesetzt, dass dies etwa 7.200 Litern pro Person und Tag entspricht.

Quelle: Umweltbundesamt

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