So ein Joghurtbecher aus Plastikmüll kann eine unheimlich gute Figur machen – nicht nur wenn sein Inhalt kalorienreduziert ist. Gereinigt, zerkleinert, eingeschmolzen und zu feinen Polyesterfasern versponnen landet er dann nicht im Kühlschrank, dafür aber vielleicht im Kleiderschrank. T-Shirts, Bikinis, Funktionskleidung und Schuhe – all das lässt sich aus PET-Flaschen, Ozeanplastik und Verpackungen herstellen. Allein in Deutschland produziert jeder Bundesbürger rund 38 Kilo Plastikverpackungsmüll im Jahr. Im Kampf gegen wachsende Müllberge zu Wasser und zu Land werben daher immer mehr Modeunternehmen damit, Kleidung aus recyceltem Plastik herzustellen.
Plastikmüll: Nachhaltiger Stoff für unsere Kleidung?
Der Outdoor-Bekleidungshersteller Patagonia produziert nach eigenen Angaben bereits seit 1993 Recycling-Polyester aus Plastikflaschen, alten Stoffresten und ausgedienter Kleidung. Auch die Marke Adidas wirbt damit, aufbereiteten Plastikmüll, der auf abgelegenen Inseln, an Stränden und Küsten gesammelt wird, in ihren Sportprodukten zu verarbeiten. Was wie die Lösung des Plastikproblems klingt, ist laut Kai Nebel, Textilingenieur und Experte für Nachhaltigkeit und Recycling an der Hochschule Reutlingen, aus Sicht der Nachhaltigkeit aber Unsinn. Der Haken an den schönen Botschaften, aus Müll nachhaltige Mode zu machen, liege im enormen Aufwand des Umwandlungsprozesses und der Tatsache, dass die dabei entstehenden Produkte selbst nicht recycelbar seien, sagte Nebel gegenüber dem Bio-Magazin „Schrott & Korn“.
Recycling ist sehr aufwendig
Der Prozess des Recyclings ist aufwendig und energieintensiv: Zunächst muss der Plastikmüll getrennt, sortiert und unter Einsatz von Chemikalien gründlich gereinigt werden. Dann wird das Plastik geschreddert, geschmolzen und nochmals gereinigt. Am Ende dieser langen Aufbereitungskette werden die Fasern ausgesponnen und als Polyester zu Textilien verarbeitet. Vor allem Ozeanplastik ist enorm mit Pestiziden belastet, die sich auch nicht so einfach rauswaschen lassen.
Auch in recyceltem PET können sich durch den Herstellungsprozess krebserregende Schadstoffe ansammeln. Die stecken dann am Ende – wenn auch in geringen Mengen – in der Kleidung und gelangen von dort auf die Haut. Ein weiteres Problem: Um an zusätzliche Mengen Plastikmüll zu kommen, wird dieser Tonnenweise und CO2-teuer durch die ganze Welt transportiert. Wirklich umweltfreundlich ist das also nicht.
Wer jetzt keine Lust mehr auf Joghurtbecher im Kleiderschrank hat, aber trotzdem nachhaltig leben möchte, dem bleibt wohl nur eins: Bewusster und weniger einkaufen.