Schwerin ist die Landeshauptstadt Mecklenburg-Vorpommerns und mit rund 99.700 Einwohnerinnen und Einwohnern die kleinste unter den Landeshauptstädten der Bundesrepublik. Die zur Metropolregion Hamburg gehörende kreisfreie Mittelstadt hat mit dem Schweriner Schloss nicht nur eines der bedeutendsten Bauwerke des romantischen Historismus in Europa, sondern liegt auch inmitten einer außergewöhnlichen Seenlandschaft – ein Naturkapital, das die Stadt zunehmend auch beim Klimaschutz in den Blick nimmt.
Als „Lebenshauptstadt“, wie sie sich seit 2017 selbst bezeichnet, stellt Schwerin mit einer bürgernahen Verwaltung ihre Einwohnerinnen und Einwohner in den Mittelpunkt. Ein Beispiel hierfür ist das Klimaschutzkonzept: Bereits bei der Ideenfindung band die Stadt interessierte Bürgerinnen und Bürger über mehrere öffentliche Klima-Foren aktiv ein. Aber auch abseits großer Projekte zeigt Schwerin, wie wichtig ihr das selbstgegebene Stadtmotto ist, beispielsweise bei den Abfallgebühren: Laut dem aktuellen Müllgebührenranking 2026, das von IW Consult im Auftrag von Haus & Grund Deutschland erstellt wurde, belegt Schwerin mit einem Gesamtindex von 128,7 Punkten den achten Platz unter den 100 einwohnerstärksten Städten Deutschlands und zählt damit zu den Kommunen mit besonders niedrigen Müllgebühren. Für die Abfallentsorgung ist die Schweriner Abfallentsorgungs- und Straßenreinigungsgesellschaft mbH (SAS) zuständig. Dahinter steht eine seit 2007 bestehende Öffentlich-Private Partnerschaft zwischen der Stadt Schwerin und REMONDIS, die stabile Abfallgebühren für die Bevölkerung bei gleichzeitig effizienten Entsorgungsprozessen gewährleistet.
Klimaschutzkonzept der Landeshauptstadt Schwerin
Den Grundstein für die Klimaschutzarbeit in Schwerin legte 2011 die städtische Stabsstelle „Klimamanagement & Mobilität“. Sie wurde mit Fördergeldern finanziert und begann mit der Erarbeitung eines integrierten Klimaschutzkonzepts. 2016 folgte ein ergänzendes Klimaanpassungskonzept. In der Zeit der sogenannten „Klimanotstände“ beschloss die Stadtvertretung 2020, die Zielmarke für die CO2-Neutralität der Landeshauptstadt auf 2035 festzulegen. Diese Vorgabe wurde jedoch Ende 2025 mit dem Zieljahr 2045 von Land und Bund harmonisiert, um eine realistische und umsetzbare Klimaschutzstrategie zu gewährleisten.
Das Klimamanagement stellte sich im Frühjahr 2024 neu auf: Dafür wurde die Stabsstelle aufgelöst und in zwei feste, fördermittelunabhängige Stellen innerhalb der Stadtverwaltung umgewandelt. Durch die enge Anbindung an den Fachdienst Umwelt profitieren die Mitarbeiter von kurzen Entscheidungswegen, interdisziplinärer Expertise und einem direkten Bezug zu aktuellen kommunalen Umweltthemen. Das Aufgabenspektrum im Klimamanagement hat sich deutlich erweitert. Der Fokus liegt auf der kommunalen Wärmeplanung, dem Monitoring von Maßnahmen aus den Bereichen Klimaschutz und Klimaanpassung, der Akquise von Fördermitteln sowie der Entsiegelung und dem Hitzeschutz. Hinzu kommen Bestrebungen, ein Strombilanzkreismodell für die Stadt zu etablieren. Dieses Modell wird derzeit gemeinsam mit dem kommunalen Eigenbetrieb Zentrales Gebäudemanagement geplant. Es soll die Stadt künftig dabei unterstützen, geeignete Potenziale für Photovoltaikanlagen und andere Anlagen zur Nutzung erneuerbarer Energien auf Gebäuden und Freiflächen zu realisieren.
Kommunale Wärmeplanung in Schwerin
Die kommunale Wärmeplanung zielt darauf ab, die Wärmeversorgung schrittweise von fossilen Energieträgern unabhängig zu machen. Dafür wurden auch die Potenziale von Geothermie, Abwasserwärme, Solarthermie, Biomasse und Umweltwärme im Stadtgebiet analysiert. Auf dieser Grundlage soll ermittelt werden, wie sich erneuerbare Energien in das städtische Wärmenetz integrieren lassen. Eine wichtige Erkenntnis der Analyse ist, dass die Wärmewende in Schwerin technisch umsetzbar ist. In verschiedenen Ortsteilen Schwerins lassen sich geeignete Potenziale erschließen, um eine flächendeckende Energieversorgung etwa durch Geothermie oder Solarenergie sicherzustellen. Das Hauptergebnis der gesetzlich vorgegebenen Wärmeplanung ist die Festlegung, welche Gebiete zukünftig über Fernwärme versorgt werden und wo sich Hauseigentümer um individuelle Lösungen kümmern müssen – das schafft große Planungssicherheit in Schwerin.
Um ihre Wärmewendestrategie umzusetzen, stützt sich Schwerin auf mehrere Säulen: Im Mittelpunkt stehen der Ausbau und die Dekarbonisierung der Fernwärme sowie die Reduzierung des Nutzwärmebedarfs durch energetische Sanierungen. Zusätzlich hat die Stadt ein webbasiertes Tool eingeführt, das die Überwachung und Kommunikation von Maßnahmen in den Bereichen kommunale Wärmeplanung, Klimaschutz und Klimaanpassung ermöglicht und allen Interessierten zugänglich macht.
Entsiegelung und Bodenschutzvorhaben
Für den Klimaschutz und die Klimaanpassung spielen Böden und Freiflächen in Schwerin eine bedeutende Rolle. Im Stadtgebiet und der weitläufigen Umgebung befinden sich viele wertvolle Flächen. Dazu gehören Moorböden, die große Mengen CO₂ binden und damit einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten, sowie die großen Seen, die ebenfalls als Wasserspeicher und Lebensraum für zahlreiche Tierarten von Bedeutung sind. Diese natürlichen Gegebenheiten bilden zugleich eine wichtige Grundlage für das Schwammstadt-Konzept der Landeshauptstadt. Aber auch für die Verkehrs- und Siedlungsflächen will die Stadt ab 2026 ein spezifisches Flächenmonitoring einführen. Dieses soll belastbare Datengrundlagen liefern, um Entsiegelungspotenziale aufzuzeigen. Zu diesem Zweck warb die Stadt unter anderem Fördermittel aus dem KfW-Programm für natürlichen Klimaschutz in Kommunen ein, um Entsiegelungsprojekte zügig umsetzen zu können.
Mobilität in Schwerin: Das Radverkehrskonzept 2030
Schwerin fördert den Radverkehr im Stadtgebiet mit verschiedenen Maßnahmen. Dazu gehört unter anderem die regelmäßige Teilnahme an der bundesweiten Aktion „Stadtradeln“. Im Jahr 2026 erreichte die Landeshauptstadt dabei in der Kategorie der Städte mit 50.000 bis 99.999 Einwohnern den 21. Platz. Innerhalb Mecklenburg-Vorpommerns sicherte sie sich sogar den dritten Platz. Darüber hinaus entwickelt die Stadt den Radverkehr langfristig weiter. Grundlage dafür bildet ein umfangreiches Gutachten, das Optimierungspotenziale unter anderem bei der Verkehrsführung und der Verkehrssicherheit aufzeigt. Die daraus abgeleiteten Maßnahmen sollen schrittweise im Rahmen des „Radverkehrskonzepts 2030“ umgesetzt werden. Auch hier setzt Schwerin auf eine breite Beteiligung: Bürgerinnen und Bürger konnten auf Orte und Streckenabschnitte hinweisen, an denen Radfahrerinnen und Radfahrer besonders gefährdet sind oder es häufig zu kritischen Verkehrssituationen kommt. Ein weiterer Schwerpunkt des „Radverkehrskonzepts 2030“ ist der Ausbau der Fahrradabstellmöglichkeiten im Innenstadtbereich.
Zu den konkreten Vorhaben zählt das erste Fahrradparkhaus der Stadt. Im März 2026 legte Schwerin den Grundstein für das Projekt. Es soll die Abstellsituation im Innenstadtbereich verbessern und zugleich mehr Menschen zum Umstieg auf das Fahrrad bewegen. Verkehrsdezernent Bernd Nottebaum äußerte sich in einer Pressemitteilung der Stadt dazu: „Fahrradparkhäuser senken nicht nur eine wichtige Hürde für den Umstieg vom Auto auf das Fahrrad, sie benötigen deutlich weniger Raum als Parkplätze für Autos. Das Parkhaus verbessert Sicherheit, Komfort und Verlässlichkeit des Radfahrens in Schwerin und trägt maßgeblich dazu bei, den Radverkehr als festen Bestandteil nachhaltiger Mobilität zu etablieren.” Das Fahrradparkhaus bietet zusätzlich Ladepunkte für E-Bikes und spezielle Bereiche für große Lastenräder und Langzeitparker.
Beim Bau des Fahrradparkhauses setzte die Stadt auf nachhaltige Materialien. Große Teile des Gebäudes wurden aus nachwachsenden Rohstoffen wie Holz und recycelten Ziegeln errichtet. Neben mehr als 300 Stellplätzen beherbergt das Parkhaus außerdem einen Radverleih der städtischen Verkehrsbetriebe, der den Umstieg auf das Fahrrad erleichtern und attraktiver gestalten soll.